Noch ein Loch?

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 28.01.2016

Geht es Ihnen auch so, dass Sie sich in der Regel erst einige Tage oder Stunden vor einem Abstimmungssonntag wirklich eingehender mit den Vorlagen befassen, über die es zu befinden gilt? Die gute Nachricht: Sie sind nicht allein!

Noch ein Loch?
Swen (Silvan Wegmann) |

Vier Wochen vor dem Urnengang haben in der Frage der Sanierung des Gotthard-Stras­sentunnels nun auch die Experten angefangen, eingehender über das Projekt nachzudenken. Das ist grundsätzlich erfreulich, aber irgendwie auch sehr überrasschend. Ausgerechnet die Experten SBB sprechen sich für die zweite Autoröhre aus - obwohl man ihnen extra eine zweite Bahnröhre gebaut hat, weil sie über Jahrzehnte lautstark «Von der Strasse auf die Schiene» skandierten. Die Experten der NZZ, von welchen man wirtschaftsfreundliche Lobbyarbeit für die teuerste Variante erwartet hätte, sprechen sich gegen einen weiteren Tunnel aus. Und den Experten des Bundesamts für Strassen Astra gelingt es nur halbwegs, den Verdacht zu zerstreuen, dass die Vorlage gar nicht mehr dem neuesten Stand der Erkenntnisse entspricht.

Einmal mehr zeigt sich, dass Prognosen immer dann besonders schwierig sind, wenn sie die Zukunft betreffen. Die Planer des Autobahnnetzes in den 1960er rechneten mit höchstens einigen Zehntausend Automobilisten. Und die Drehbuchautoren des Blockbusters «Zurück in die Zukunft» sahen ihrerseits für  2016 Flugautos auf der Basis eines Biomüll-Antriebs voraus.

Möglich also, dass nun zehn Jahre an einer neuen Tunnelröhre gebaut wird, um festzustellen, dass durch den Klimawandel längst die Wintersperre der Passstrasse hinfällig geworden ist. Oder dass wir den Pass ausbauen, um festzustellen, dass ohne Permafrost bald auch die Alpen weggespült sein werden. Womit es auch keinen Grund mehr gäbe, ins Tessin zu fahren. Und eben: Eine Strasse dorthin zu haben.

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