Island

Thomas C. Breuer | veröffentlicht am 01.11.2015

Island wurde hart von der Wirtschaftskrise gebeutelt, zeitweilig stand man vor dem Staatsbankrott. Das Einzige, was die Isländer über Monate lang im Bauch hatten, war Wut. Allmählich ist Land in Sicht, wenngleich sich die Isländer weiterhin werden einschränken müssen - das fängt natürlich beim Speisezettel an, die man oft als Sättigungsbeilage mitessen muss ...

Island
(Nebelspalter)

... Die isländische Küche im Klartext: Kleine Fische, in heissen Quellen gesotten oder Carpaccio von der Kirchenmaus. Dazu reicht man kleine gebackene Brötchen.

Aber die isländische Küche war über Jahrhunderte hinweg ohnehin nichts anderes als Mangelverwaltung: Karg, aber stark. Keiner kann das Grundprinzip so gut erklären wie Wikipedia: «Die wichtigste Zubereitungsart ist das Kochen.» Das ist fein beobachtet. Wobei das natürlich auch umgekehrt gilt: «Die wichtigste Kochart ist die Zubereitung.»

Das Kochen von Vögeln zum Beispiel ist eine isländische Spezialität, das Vögeln von Köchen eher nicht. Vor allem Seevögel wie Trottellumme, Tordalken und Gryllteisten kommen zum Einsatz, wobei Erstere, also Trottellummen, lange Zeit nicht nur ornithologisch unterwegs waren, sondern auch im Bankenwesen, und bei Letzterer, der Gryllteiste, der Grill leider im Preis nicht enthalten ist. Die Isländer haben keine Kohle mehr, aber immerhin gibt es Geysire, in die man die Nudeln gleich so reinschmeis­sen kann, und Moos - auf Isländisch «Gestryppere» - ist trotz internationaler Verflechtungen ausreichend vorhanden.

Die beliebte Fernsehköchin Sigurda Graubrotsdóttir kann leider bloss ausgefallene Gerichte präsentieren. Auf dem freien Markt findet man lediglich Walfleisch zweiter Wahl, alles andere endet im Export. Die beliebten Ponyburger kommen höchstens an Feiertagen auf den Tisch, Garnelen gar nicht. Immerhin gibt es seit zwei Jahrzehnten geothermal beheizte Gewächshäuser, so dass der Isländer nicht mehr auf den Export angewiesen ist.

Über Jahrhunderte hinweg gab es weder Getreide und Gemüse, weshalb das beliebteste Hobby der Isländer Skorbut war. Hinzu kommt, dass wegen der globalen Erwärmung die Eisberge verschwinden, was sich negativ auf die Eisbergsalatgrundversorgung auswirkt. Damit wird auch Eisbärsalat knapp. Verbraucherminister Asgéir Smálhansson schwört die Isländer auf traditionelle, weil preiswerte Gerichte ein: Sviô, das sind schwarzgesengte Schafsköpfe, oder slátur, in Schafsmagen eingelegte Innereien vom Schaf.

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