Nationalratssaal wird umgebaut

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 16.10.2015

Nach dem bevorstehenden Rechtsrutsch im Schweizer Parlament werden im linken Bereich der grossen Kammer rund 250 Quadratmeter Fläche frei, die neu genutzt werden sollen. Die Bundeskanzlei hat heute die Gewinner eines nationalen Projektwettbewerbs vorgestellt.

Nationalratssaal wird umgebaut
(Nebelspalter)

Am Sonntag wählt die Schweiz ein neues Parlament, und sämtliche Umfragen sind sich einig, dass das Parlament weiter nach rechts rücken wird. Bereits im Frühsommer hat die Bundesverwaltung erkannt, dass durch das politische Zusammenrücken im rechten Teil des Nationalratssaals eine Menge Platz frei wird. Nun sind die Gewinner des dazu ausgeschriebenen Ideenwettbewerbs bekannt. 

Platz 1: «Kaffee & Köppel»

Das Siegerprojekt besticht durch eine elegante Mehrzweck-Nutzung, welche den veränderten Bedürfnissen des Politbetriebes gerecht werden soll. Während sich die Nationalräte auf drei der vormals vier Sektoren zurückziehen, entsteht im frei gewordenen Bereich ein elegantes Lobbyisten-Café, von wo aus die Interessenvertreter bequem und direkt ins Ratsgeschehen eingreifen und sich mit der Mehrheitsfraktion der SVP absprechen können. 

Zur Saalmitte wird die «Weltwoche»-Chefredaktion, die auf 1. Januar 2016 mit dem Amtlichen Bulletin zusammengelegt wird, transparent und objektiv aus dem Parlament berichten können. Die räumliche Position des Pultes erlaubt es dem Chefredaktor, auch die Mitglieder der eigenen Einheitspartei genau im Blick zu haben und unbotmässige Abgeordnete zeitnahe in der eigenen Zeitschrift in die Pfanne hauen zu können. 

Ein nicht genannt werden wollender Mäzen hat sich bei diesem Projektvorschlag zudem bereit erklärt, zur kulturellen Erbauung der Ratsmitglieder eine Wechselausstellung mit Bildern von Albert Anker zu finanzieren. 

Platz 2: «Das Beschmutzernest»

Das zweitplatzierte Projekt hätte einen ganz anderen, eher künstlerisch-philosophischen Ansatz verfolgt und auf der Fläche des freiwerdenden Sektors ein grosses Glasterrarium vorgesehen, in dem in geschütztem Rahmen jeweils für drei Monate ein linker Kulturschaffender ein Kunstprojekt hätte realisieren können. Die Projektskizze beinhaltete zum Beispiel ein Stipendium für Schriftsteller Lukas Bärfuss, der so im Zentrum der Macht drei Monate lang Brandreden fürs ausländische Feuilleton hätte schreiben und daneben zum Ausgleich Holzzwerge schnitzen können. 

Abgeschlagen: Durchgangslager

Keine Chance hatte die Eingabe, auf den 250 Quadratmetern 40 Doppelstockbetten für insgesamt 120 Flüchtlinge und Asylsuchende einzurichten, inklusive der üblichen Infrastruktur wie Gesprächsecken für Rekurs-Anwälte und Service-Points der nationalen Handyanbieter. 

Die Bundeskanzlei betont, dass nun zuerst einmal der Ausgang der Wahlen abgewartet werden müsse, um zu sehen, ob die Fraktion der «Nationalen Rettung» (vormals SVP) tatsächlich die Zweidrittelmehrheit erreichen wird und die «Sinnfreien» (vormals FDP) und die «Aktion Wendehals» (vormals CVP) zu Juniorpartnern degradiert. 

Anmerkung zur Grafik: Nach aktuellen Umfrageprognosen des Forschungsinstituts GFS dürfte SP-Nationalrat Cédric Wermuth als einziger Parteivertreter links der Mitte gezielt von Bürgerlichen ins Parlament gewählt werden. Claude Longchamp dazu: «Die neue nationalkonservative Mehrheit möchte offenbar trotz allem noch ein wenig Spass an den lustigen Ideen eines linken Idealisten haben.»

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