Vogelwarte Sempach schlägt Alarm

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 24.09.2015

In den vergangenen zwei Wochen haben Schätzungen zufolge mehr als 85 Prozent aller Vögel die Schweiz verlassen. Als Grund vermutet werden die «Vogelscheuchen», die derzeit im Land zu Zehntausenden auf Wiesen und Äckern stehen.

Vogelwarte Sempach schlägt Alarm
(Nebelspalter)

Rekordverdächtige 3802 Kandidatinnen und Kandidaten wollen am 18. Oktober in die Bundesversammlung gewählt werden. Ihre Wahlplakate begegnen uns momentan auf Schritt und Tritt. Dies scheint indessen nicht nur manchem Bürger des Guten zu viel zu sein: Ornithologen haben in den vergangenen Tagen «einen regelrechten Vogel-Exodus» und «Schwärme von nie da gewesener Grösse» beobachtet. 

«Was uns besonders beunruhigt, ist, dass nicht nur die üblichen Zugvögel mehrere Wochen früher als sonst die Schweiz verlassen, sondern auch sämtliche Standvogelarten, die normalerweise den Winter in der Schweiz verbringen, sich ins Ausland absetzen.» Der Verdacht, dass die vielen Plakatständer eine mit Vogelscheuchen vergleichbare Wirkung entfalten, liegt auf der Hand, selbst wenn sämtliche angefragten Nationalratskandidaten die Erklärung als Humbug abtun.

Fachleute vermuten indessen nicht einmal die äussere Erscheinung gewisser Kandidatinnen und Kandidaten als «Vogelschreck»-Faktor - obwohl das vereinzelt sicher zutrifft - , sondern weisen darauf hin, dass Vögel in der Vergangenheit schon oftmals Erdbeben vorausgespürt hätten und womöglich nun auch den gemäss jüngstem Wahlbarometer drohenden Rechtsrutsch erahnen würden.  

Europa ist überfordert

Längst bestimmt der gefiederte Massenexodus auch die europäische Agenda: Ungarn, Tschechien und Serbien haben bereits gestern die Grenzen für Schweizer Vögel geschlossen. Kroatien sieht seine Aufnahmekapazitäten erschöpft. Österreich hat sich am Mittag zur Aufnahme von jährlich 4 Jungvögeln bereit erklärt. «Letztlich hoffen wir alle, dass sich die Situation Ende Oktober wieder beruhigt.» 

Bis zur Stunde unbestätigt sind übrigens Berichte, wonach eine einzige Vogelart sich dem Exodus nicht angeschlossen und sich ganz im Gegenteil über den ganzen nationalen Plakatwald verteilt habe, so dass jeder Kandidat mindestens eine Meise hat. 

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