Vitus Huonder

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 03.09.2015

Hat Bischof Huonder öffentlich zur Gewalt gegen Schwule und Lesben aufgerufen, indem er aus dem Alten Testament Texpassagen gegen Homosexuelle zitierte? Eine bibelkritische Spurensuche.

Vitus Huonder
Michael Streun | (Nebelspalter)

Vitus-Evangelium
1 Und es begab sich, dass ich mich auf eine lange Reise von Curia nach Fulda machte, um die Menschen zu unterweisen in der Art, wie sie mit ihren Begierden gottgefällig umzugehen hätten. 2 Daselbst richtete ich mein Wort an die Gelehrten und sprach: Verzagt nicht, denn das Buch der Bücher ist voller Weisheit. 3 So steht geschrieben, dass sich der Mann nicht dem Manne, und auch das Weib nicht dem Weibe hingeben soll. 4 Bedenket, wie die Heilige Schrift beschaffen ist vor der Ankunft des Herrn: voller Rachsucht, voller Strenge und voller Brutalität. 5 So wundert euch nicht, wenn der Allmächtige für die körperliche Liebe unter Gleichen unbarmherzigen Blutzoll verlangt, 6 denn Er hat ja im Buche Genesis auch aus einer Laune heraus fast das gesamte Menschengeschlecht ersäufen lassen 7 und beim auserwählten Stammesvater Abraham dessen Sohn als Barbecue eingefordert. 8 Wenn heute selbst wir, die irdischen Statthalter des Herrn, die Schrift nicht mehr nach dem Wortesinne interpretieren, 9 so soll sie uns dennoch weiterhin anleiten. 10 Denn, so frage ich euch, was bliebe uns sonst noch übrig von unserem althergebrachten Glauben?

Tuntus-Brief
1 Als aber im Lande des Regenbogens die Kunde erging, dass der Churer Hirte aus den alten Schriften Inhalte zitiert hatte, 2 wie sie der Prophet Thieldreas im Koran nicht blutrünstiger hätte finden können, 3 da brach sich grosse Empörung Bahn und feuriger Zorn entlud sich im ganzen Land. 4 Und man besann sich unter dem Regenbogen auf ein Gesetz, das man hinzuziehen könnte, 5 um den unbotsmässigen Hirten für seine Intoleranz zu bestrafen 6 und ihn in alle Ewigkeit zu ächten - im Namen der Toleranz.

Offenbarung des Roger
1 Um was gehts? Wir von der Weltwoche haben recherchiert, dass keine einzige Schwuchtel Vitus Huonders Fuldaer Rede wirklich vollständig gelesen und verstanden hat. 3 Um das Sommerloch zu stopfen, organisierten die Tunten zusammen mit ihren Kollegen, die in den Redaktionsstuben aller linken Mainstreammedien zu finden sind, eine üble Rufmordkampagne gegen den ehrwürdigen Churer Bischof. 4 Auch wenn uns Vitus Huonder für ein Interview nicht zur Verfügung stand, ist es für uns Ehrensache, 5 dass wir uns für seinen Standpunkt mit aller Kraft ins Zeug legen.

Hirtenbriefe
1 Da sich Gott ob der Schweizer Bischofskonferenz beinahe zu Tode langweilte, 2 sandte er ihr drei Plagen. 3 Zuerst liess er Bischof Haas im Osten des Landes Unruhe stiften: die erste Plage. 4 Dann liess er Bischof Huonder am selben Ort seine Ansichten verbreiten: die zweite Plage. 5 In den darauffolgenden Wochen verdüsterte sich der Himmel 6 und 21?000 Unterschriften flatterten in den Briefkasten der Bischofskonferenz: die dritte Plage. 7 Die Bischöfe wussten weder ein noch aus. 8 Hier ein Amtskollege, der nur offen aussprach, was die Zentrale in Rom offiziell genauso sieht. 9 Dort die Erwartungen und der Reformdruck der Gläubigen, die man drauf und dran war zu verlieren. 10 Und wenn sie nicht gestorben, nach Rom berufen oder nach Vaduz versetzt worden sind, zaudern sie noch heute.

Gebet eines Lesers
1 «Nebelspalter» unser, der du liegst auf- geschlagen vor uns, 2 dein Name sei Programm. 3 Deine nächste Nummer komme. 4 Dein Humor erheitere uns, wie in den Texten, also auch in den Zeichnungen. 5 Unsere Portion Satire gib uns heute. 6 Und vergib uns unsere lange Leitung 7 wie auch wir vergeben dir deine schwächeren Pointen. 8 Und führe uns nicht nur durch die Niederungen der Belanglosigkeit, 9 sondern löse manchmal ganz bewusst nicht mit einer lustigen Schlusspointe auf. 10 Und lass uns manchmal betroffen und nachdenklich zurück, 11 indem du hier auf diesen letzten Zeilen 12 all die aufgebrachten Aktivisten und besorgten Katholiken fragst, 13 bei allem Respekt für ihre Anliegen, 14 ob sie denn hier und heute 15 angesichts der grossen Not und des ganzen Elends von Süden her 16 im Namen ihrer Toleranz, 17 im Namen ihrer christlichen Nächstenliebe 18 eigentlich nichts Wichtigeres zu tun haben?

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