Hilfsgüter über Gurtenfestival abgeworfen

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 17.07.2015

Eine unbekannte ausländische Hilfsorganisation hat über dem Berner Festivalgelände mehrere Tonnen Hilfsgüter abgeworfen. Vermutlich, weil nach den Openairs in Frauenfeld und St. Gallen die Bilder von vermeintlichen verwüsteten Schweizer Flüchtlingscamps um die Welt gingen.

Hilfsgüter über Gurtenfestival abgeworfen
(Nebelspalter)

Das 32. Gutenfestival ist in vollem Gang. Gross war heute Vormittag die Überraschung, als der Berner Hausberg Gurten von zwei unbekannten Transportmaschinen überflogen und über der Zeltstadt mehrere Tonnen Hilfsgüter abgeworfen wurden. 

Die Festival-Organisation vermutet, dass eine internationale Hilfsorganisation auf die schockierenden Aufnahmen von zurückgelassenen, zugemüllten Zeltlagern in Frauenfeld und St. Gallen aufmerksam geworden ist und wegen mangelnder Sprachkenntnisse falsche Rückschlüsse gezogen hat. Ein zusammen mit den Hilfspaketen abgeworfenes Flugblatt in holprigem Deutsch deutet zumindest darauf hin. Demnach geht die bis dato unbekannte humanitäre Organisation offenbar von «Zehntausenden verfolgten Jugendlichen» aus, die seit Wochen jeweils am Sonntag aus unbekannten Gründen ihre gerade erst erstellten Zeltlager fluchtartig verlassen. Das soll nun am Gurten verhindert werden, wie das Flugblatt erklärt: «Sie sind hir sicher! Hierbleiben Sie undSie werden geliefert allem mit was lebens Notwendiges!»

Offizielle Schweiz überrascht

Die politischen Behörden zeigen sich von der Entwicklung völlig überrascht. Die meisten Departemente und Ämter sind ferienhalber geschlossen. Einzig die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA war zu einer telefonischen Stellungnahme bereit: «Das haben die jungen Säuniggel jetzen davon! Überall lassen diese ungezogenen Grüsel im Sommer ihren Güsel liegen. Die ganzen Littering-Bilder haben ja schon lange an Kriegsgebiete erinnert», so Walter Hebeisen, der allerdings darauf hinweist, dass er sich nur im DEZA aufhalte, weil er hier während den Betriebsferien als Maler die Radiatoren neu streiche. 

Ärgernis Verbal-Littering

Während zur Stunde noch immer unklar ist, welche Hilfsorganisation für die Aktion verantwortlich ist, dürfte bereits deutlich werden, dass die Littering-Debatte nun über die kommenden Wochen anhalten wird. Die Bilder von nach Grossveranstaltungen zurückgelassenem Abfall - bis hin zu Tausenden noch voll funktionstüchtigen Zelten - befeuern seit Jahren hitzige Diskussionen, in welchen sich die Entrüsteten und die Verständnisvollen gar nichts schenken. Der dadurch geprägte Begriff «Kommentarspalten-Littering» wird bereits als Anwärter für das «Unwort des Jahres» gehandelt. Doch auch der Begriff «Sauenversteher» hat Chancen auf die Auszeichnung. Er wird für all jene verwendet, welche beim Littering die Jugendlichen vorbehaltlos in Schutz nehmen, und die Diskussion immer gleich auf eine ideologische Ebene von Kapitalismus und Konsumgesellschaft lenken. 

Nachtrag von 15.23 Uhr

Diverse Ostschweizer Lokalradios meldeten am Nachmittag, dass Aufräum-Arbeiter auch im St. Galler Sittertobel mehrere abgeworfene Paletten Hilfsgüter gefunden hätten. Da man im Hilfspaket auf einige Tuben Senf gestossen sei, habe man die gesamte Lieferung sogleich in der nahen Abfallverbrennungsanlage entsorgt.  

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