Ist halt Geschmackssache

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 04.06.2015

Was leben wir doch in spannenden Zeiten! Kein Tag vergeht, ohne dass vermeintlich in Stein gemeisseltes Wissen umgeschrieben werden muss...

Ist halt Geschmackssache
(Nebelspalter)

Als die ältesten Mitleser hier noch jung waren, hatte unsere Zunge gerade einmal vier Geschmacksempfindungen zu bewältigen: süss, sauer, salzig und bitter. Der mit Abstand beliebteste Geschmackseindruck ist dabei «süss», weshalb auch gerne versucht wird, Süssigkeit künstlich zu erzielen, sei es in Softdrinks, sei es bei der visuellen Aufbereitung der eigenen Aussenhülle (Schminke, Implantate, Straffungen).

Irgendwann auf dem Weg ins Jetzt hat uns dann ein zum neunmalklugen Hobby-Gourmetkoch moutierter Bekannter auseinandergesetzt, dass da noch eine fünfte Geschmacksqualität existiere, die sich «Umami» nenne und in Parmesan, Fleisch oder Tomaten für herzhafte und wohlschmeckende Eindrücke sorge. Und die jüngste Forschung legt den Schluss nahe, dass unser Zerkautes auf dem Weg in die Magensäfte auch noch ein paar Kalcium-?/Magnesium-Rezeptoren passiert. Zahlreiche russische Oppositionelle hätten allerdings mehr davon gehabt, hätte die Evolution sie mit Polonium-Rezeptoren ausgestattet.

Noch hat die Forschung nicht genügend erkundet, ob es sich bei den Rezeptoren für Süsses auf der Zunge und für Süsses auf der Netzhaut (verspielte Katzen, tapsige Hundebabys, flauschige Hasen) um ein und dieselbe Entwicklung handelt.

Da grundsätzlich davon ausgegangen werden kann, dass die Natur all das entwickelt und beibehält, was für unser Überleben sinnvoll ist, dürfen sich künftige Generationen auf eine weitere Diversifikation des Geschackssinns freuen. Bald zu erwarten sind namentlich Rezeptoren für Laktose, Gluten und «Aus der Region. Für die Region».

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