Die «bedauerlichsten Einzelfälle» vor dem Fifa-Skandal

Diana von Ow | veröffentlicht am 29.05.2015

Reihenweise wurden diese Woche Fifa-Funktionäre unter Korruptionsverdacht verhaftet. Doch Fifa-Sepp spricht unbeirrt von «bedauerlichen Einzelfällen». Mit einer alarmierenden Häufung von klaren Einzelfällen hat aber nicht nur der Weltfussballverband zu kämpfen, auch andere Organisationen und Unternehmen verzeichnen eine beunruhigende Zunahme. Die 10 bedauerlichsten der Reihe nach.

Die «bedauerlichsten Einzelfälle» vor dem Fifa-Skandal
(Nebelspalter)

1. Bedauern wegen der Luzerner Internet-Affäre (März 2015): Die Planungs- und Finanzkommission des Kantons Luzern will «jeden Einzelfall» klären, nachdem bekannt wurde, dass das Staatspersonal Internet-Pornos am Arbeitsplatz guckt. [Mit Blick auf die vielen Überstunden der Beamten gehen wir davon aus, dass es wohl ein paar dieser Einzelfälle gibt.]  

2. Bedauern wegen IS-radikalisierten Teenagern (Januar 2015): Ein minderjähriges Geschwisterpaar aus der Schweiz hat sich mutmasslich der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen. [An der gleichen Schule in Winterthur stehen zwei weitere Schüler unter Beobachtung. [Alle vier sind «tragische Einzelfälle».]  

3. Bedauern wegen «Anti-Baby-Pille»-Opfer (Januar 2015): Pharma-Multi Bayer gewinnt im Fall «Yasmin» vor Bundesgericht. [Bei Bayer, wo man offenbar nicht addieren kann, hält man auch sechs weitere inzwischen verstorbene Frauen für jeweils «einen sehr bedauerlichen Einzelfall».].

4. Bedauern wegen dem Folter-Bericht der CIA (Dezember 2014): Der Chef des US-Geheimdienstes, John Brennan, hat Foltermethoden bei Verhören eingeräumt. [Es handle sich aber um - genau! -  Einzelfälle.]

5. Bedauern bei Fachverband Schweizer Fleisch (November 2014): Carna Grischa soll bereits seit Jahren Fleischwaren falsch deklariert haben. [So etwas gabs natürlich noch nie! Pferde- wurde als Rindfleisch verkauft, ungarisches Poulet als schweizerisches und Gefrier- als Frischfleisch. Wer so kreativ ist, muss ein Einzelfall sein, müsste man meinen.]

6. Bedauern im Thurgauer Tierquäler-Skandal (Oktober 2014): Ein Bauer aus Hefenhofen wird einmal mehr wegen Tierquälerei angezeigt. Das erste Mal Schlagzeilen machte er bereits 2009, als er ein junges Pferd beim Beschlagen zu Tode quält. [Ein absoluter Einzelfall im heilen Bauernstand, der wirklich sehr bedauert wird.] 

7. Bedauern wegen Fall «Carlos» (September 2013): Der Zürcher Justizdirektor Martin Graf bedauert den «unschönen, tragischen Einzelfall», nachdem die Kosten für das Luxus-Sondersetting bekannt wurden. [Und nach den Zürcher Wahlen bedauerte er es noch viel mehr.]

8. Bedauern wegen gepanschtem Baby-Milchpulver (März 2013): Ein absoluter Einzelfall in China. Der Importeur soll Hero-Milchpulver mit einheimischem vermischt haben, zudem abgelaufene Packungen umetikettiert sowie Pulver minderer Qualität als hochwertiges Produkt vertrieben haben. [Diese Geschäftsidee wurde zugegebenermassen von Carna Grischa geklaut.]

9. Bedauern wegen Informatikprojekt Insieme (Juli 2012): Der Chef der Eidgenössischen Finanzkontrolle bezeichnet den Fall Insieme, der 102.4 Millionen Franken kostete und nichts einbrachte ausser einem Skandal, als - war ja klar - Einzelfall. Man dürfe nicht generalisieren, die Bundesverwaltung arbeite im Grossen und Ganzen professionell. [Wirklich bedauerlich! Wir bedauern jeden einzelnen solchen Einzelfall. Und zwar beim Bezahlen der Steuerrechnung.]

10. Bedauern wegen der Affäre um die Devisentransaktionen der Familie Hildebrand (Januar 2012). Auch dieser bedauerliche Fall ist nach dem Präsident des Bankrats der SNB ein Einzelfall. [Ja, davon sind wir auch überzeugt. Niemals würden sich die Insider mithilfe ihrer Informationen bereichern, die Banker mit geheimen Konten arbeiten oder die Grossbanken gar Preisabsprachen im Handel mit Edelmetallen machen... Niemals!]

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