Magdalena Martullo-Blocher

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 07.05.2015

Hach, was haben wir gelacht, in den vergangenen Wochen, nachdem Magdalena Martullo-Blocher ihre Kandidatur für die Nationalratswahlen publik gemacht hatte ...

Magdalena Martullo-Blocher
Michael Streun | (Nebelspalter)

... als die Medien umgehend zur allgemeinen Volksbelustigung die im Grunde schon länger bekannten Videomitschnitte online stellten, in denen Christophs emsige Erstgeborene das internationale EMS-Kader in lustigem Schweizerdeutsch-Englisch einschüchtert. 

Wie im Rausch verbrachten wir Stunden, Tage und Nächte in den Redaktionsbüros, wähnten uns freudetrunken in der Gewissheit, dass nun eine Person das politische Parkett betreten wird, die wir künftig mit Lust und Leichtigkeit als burschikos, tollpatschig und rustikal lächerlich machen können, wann immer es unser angeborener Anti-SVP-Reflex gebietet. Wir übten uns reihum als Martullo-Immitatoren und tüftelten an den lustigsten Sprach-Unfällen im Stil von «This hits the barrel the bottom out» (Das schlaht em Fass de Bode uus!), die wir Miss Seven- Sinking-Schteps in den Mund legen würden. 

Doch dann kam das Urteil zum Messerstecher- Plakat herein. «Kosovaren schlitzen Schweizer auf» sei rassistisch, befand eine Einzelrichterin. «Totaler Quatsch», erwiderte die SVP. Die Aussage sei nicht verallgemeinernd, sondern gebe im Einklang mit der deutschen Grammatik einen Sachverhalt wieder, der sich 2012 tatsächlich so zugetragen hatte. «[Zwei] Kosovaren schlitzen [einen] Schweizer auf». 

Wir müssen zugeben: So viel Dialektik hatten wir der SVP nicht zugetraut - und dies lässt uns erschaudern. Was, wenn wir uns demnächst über Martullos «Sinking Schteps for Tschwitzerländ» lustig machen, die Gute aber gar nicht am englischen th-Laut scheitert, sondern tatsächlich schrittweise die Schweiz versenken will? 

Artikel erschienen in der Ausgabe

loader