Weinland Luxemburg

Thomas C. Breuer | veröffentlicht am 01.05.2015

Es waren die unvermeidlichen Römer, die im ersten Jh. v. Chr. den Wein in die Region brachten. Die Gründung zahlreicher Klöster trug zum Aufschwung des Weinbaus bei, da Gottesdienste nur mit einem Mindestpromillepegel erträglich waren.

Weinland Luxemburg
(Nebelspalter)

Nach dem grausamen Winter 1709, der die Rebbestände vernichtete, wurden bevorzugt die robusten Reben der Sorte Elbling angebaut, mit denen die Kinder in Luxemburg auch gerne Murmeln spielen. Diese Reben wurden zunächst als Fassware für den Verschnitt ins damalige Mosel-Saar-Ruwer-Gebiet ausgeliefert.

Erst im 20. Jahrhundert wollten die Luxemburger die Identität ihrer Weine festigen, vor allem, nachdem Grossherzog Schang über den Wein gross herzog. Der war so sauer wie manche der Böden, folglich musste alles geändert werden. Spontan gründete man 1925 das Weininstitut Remich, und keine zehn Jahre später führte man ein Qualitätswein-System ein, die «Marque nationale des vins de chemin de fer luxembourgeoise.»

Seitdem zelebriert man im ganzen Ländchen nicht nur «happy hours», sondern geradezu «happy decades.» Was dem Franzosen sein Grand Cru, ist dem «Letzebujer» also sein Grand Duc. Wiederum 50 Jahre später, 1985, sass man anlässlich eines geselligen Beisammenseins beisammen, Franzosen, Holländer, Belgier, Deutsche und natürlich die als extrem gesellig geltenden Luxemburger, der Wein floss in Strömen, trotzdem entwickelte sich dabei eine Schnapsidee, nämlich die Grenzen füreinander aufzuheben. Der Ort des Gelages ist heute überall in Europa bekannt, wenn nicht gar berüchtigt: Schengen. Ohne Luxemburger Wein wäre diese Grenzenlosität undenkbar.

Für die Landesproduktion zeichnen zu 58 % die Kellereigenossenschaften verantwortlich, gefolgt von den Privatwinzern, die sich in der «Organisation professionelle des Viticulteurs Indépendants», kurz OPEC, zusammengeschlossen haben. Winzer setzen auf Komplexität, nachdem sie früher nur ihre Komplexe gepflegt haben.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Schwarzrebe durchgesetzt, die in Grauzonen besonders gut gedeiht. Keiner weiss, wie viele Millionen in der Stadt lagern. Das kann sich bald schon ändern durch die sog. Luxembourg-Leaks - der Kleinstaat leckt an allen Ecken und Enden, nicht nur die Fässer, auch der bekannteste Luxemburger Jean-Claude Juncker zeigt dabei wenig Zurückhaltung wie weiland beim Zusammentreffen mit Frau Sommaruga. 

Artikel erschienen in der Ausgabe

loader