«Erste intelligente Autofahrer frühestens ab 2025»

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 06.03.2015

Selbstfahrende und intelligente Autos sind das Thema der Stunde. Doch in der automobilen Zukunft wollen nicht nur IT-Firmen wie Apple und Google ein Wörtchen mitreden: Am Autosalon Genf hat mit uDrive auch ein erstes Biotech-Unternehmen seinen Prototypen vorgestellt.

«Erste intelligente Autofahrer frühestens ab 2025»
(Nebelspalter)

Äusserlich sieht «Recadri I» aus wie ein ganz normaler Autofahrer. Abseits vom Strassenverkehr würde er unter gewöhnlichen Menschen überhaupt nicht auffallen. Doch setzt man «Recadri I» ans Steuer eines Autos, sorgt er reihum für Staunen und Anerkennung. Leon Smuk, CEO des Gentech-Pioniers uDrive, kann seinen Stolz über «Recadri I» kaum verbergen, auch wenn der «Reasonable Car Driver I» noch eine frühe Beta-Version ist.

Tatsächlich ist beeindruckend, welche Funktionen «Recadri I» in dieser frühen Version bereits aufweist:

- Right Lane Priority: Erkennt selbständig, wann auf der Autobahn die rechte Spur frei ist und steuert diese automatisch an. Das funktioniert offenbar sogar auf dreispurigen Streckenabschnitten, auf denen die äusserste Spur rechts in der Regel von allen herkömmlichen Autofahrern einhellig ignoriert wird.

- Zipper Performance Plus: Beherrscht im mehrspurigen Kolonnenverkehr das Reisverschlussverfahren perfekt und schliesst - wie von der Polizei empfohlen - bis nach vorne auf, während 80 Prozent der gewöhnlichen Autofahrer zu früh die Spur wechseln und sich anschliessend über all jene ärgern, die weiter nach vorne fahren.

- Blink Master - ein Feature, dass gemäss Entwickler eine besondere Knacknuss war: Recadri erinnert sich offenbar permanent daran, dass es für Richtungs- und Spurwechsel an der Lenkradsäule einen Bedienhebel gibt, mit dem man seiner Umgebung seine Absicht ankündigen kann. Besonders verblüffend: Das funktioniert sogar im Verkehrskreisel!

- Cheat Suppression: Unterdrückt überraschend gut die Verlockung, im zähen Stau z.B. über eine Einspur-Strecke oder eine Raststätte nach vorne zu fahren, nur um einige weiter vorne wieder in die ursprüngliche Spur reindrängeln zu können.

- Distraction Preventer / Vintage Mode: Mit dieser optionalen Funktion verhält sich der Fahrer wie zu einer Zeit, als es noch keine Mobiltelefone, Navigationsysteme und Coffee-to-go-Becher gab und verwendet bis zu 95 Prozent seiner Sensoren und Rechenleistung für die Steuerung des Fahrzeugs.

So eindrücklich der Funktionsumfang auch ist - mit den ersten serienmässigen, intelligenten Autolenkern ist erst in ein paar Jahren zu rechnen. CEO Leon Smuk hat jedoch eine Vision: «Die grosse Herausforderung ist der Abstand zum Vordermann. Mit vorausschauendem Beschleunigen und Bremsen liessen sich zwei Drittel aller Staus und Unfälle vermeiden. Wem es gelingt, als erster einen solchen Autofahrer anzubieten, der hat wohl wirtschaftlich ausgesorgt - und die Welt ein ganzes Stück friedlicher gemacht.»

Davor zittert die ganze Autobranche

Leon Smuks Pläne zum intelligenten Autofahrer geht aber noch weiter: So soll der bereits geplante Nachfolger «Recadri II» nicht nur am Steuer verblüffen, sondern sogar zuvor bei der Wahl des Autos revolutionäre Algorithmen verwenden, die den Drang nach immer grösseren und stärkeren Fahrzeugen unterdrücken und Kompensationskäufe für ein mangelndes Ego oder zu kurze Fortpflanzungsorgane verhindern.

Korrigendum

In einer früheren Version dieses Artikels wurde irrtümlich berichtet, dass uDrive vorerst keine weiblichen Modellvarianten plane, weil das vorgesehene Feature «Intelligent Sidelane Parking» zu grosse Probleme mache. Wir entschuldigen uns für diese journalistische Entgleisung.

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