Sicherheitsleck bei schweizweiten Sirenentests

Diana von Ow | veröffentlicht am 04.02.2015

Katastrophen können jederzeit und ohne Vorwarnung eintreffen. Damit im Ernstfall die Eidgenossen rechtzeitig ihre Schutzbunker erreichen, verfügt die Schweiz über ein flächendeckendes Sirenennetz. Gerade das birgt aber ein bisher nicht beachtetes Sicherheitsrisiko gewaltigen Ausmasses...

Sicherheitsleck bei schweizweiten Sirenentests
(Nebelspalter)

Das zeigt eine noch nicht veröffentlichte Gefahrenanalyse im Auftrag des Bundesamts für Bevölkerungsschutz. Findet die Katastrophe nämlich am 1. Mittwoch im Februar um 13.30 Uhr statt, läuft die Schweizer Bevölkerung in Gefahr, davon gar nichts mitzubekommen. Seit den 1970er-Jahren wird in der Schweiz beim Klang der Sirenen nämlich nicht mehr an eine Katastrophe gedacht, sondern an den Beitritt in den Verein «IG Lärm», ans Einkaufen von Oropax vor dem nächsten Sirenentest oder allenfalls noch an die gute alte Zeit.

Darum warnt der Nachrichtendienst eindringlichst davor, dass sich die Bevölkerung vollkommen ahnungslos dem Alltag hingibt, während der IS bereits ins Wallis eingefallen ist oder die Ostschweiz von Russland annektiert wurde. Armeechef André Blattmann befürchtet, dass die betreffende Regionalbevölkerung im Zivilschutzkeller ohne ausreichenden Notvorrat ausharren muss, bis irgendwann irgendwer vielleicht doch noch merkt, dass dies wirklich ein Ernstfall ist.

Ist aber die Gefahr einmal erkannt, ist der rasche Informationsfluss via Radio und Fernsehen umso wichtiger. SRF hat dazu bereits diverse Katastrophensendungen vorproduziert, und wird den Schweizer Widerstand mit «1 gegen 100», der «Millionen-Falle» oder mit der «Mission Surprise» mobilmachen. Was Radio SRF im Ernstfall aber nie und nimmer tun sollte: Modern Talking mit «You're my heart» laufen lassen (wie beim Test am 4. Februar passiert). Millionen von Schweizern würden das Radio ausschalten und danach nichtsahnend von den Atombomben überrollt werden.

Korrigendum

In einer früheren Version dieses Artikels wurde irrtümlich vermeldet, dass die Gefahrenlage einer Masseneinwanderung nach dem Sirenentest sinken würde, da nicht alle Nationen das Erschallen der Sirenen sogleich mit einer simplen Klangübung verbinden und diese darum gleich wieder auswandern würden. Doch, wie das Amt für Statistik meldet, ist dieser Effekt nicht signifikant.

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