Astronomen entdecken vorkopernikanisches Sonnensystem

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 30.01.2015

Noch können die führenden Astrophysiker dieser Welt kaum glauben, was das Weltraumteleskop Kepler Mitte Woche entdeckt hat: ein uraltes, vorkopernikanisches Sonnensystem, bei dem Sonne, Planeten und Mond gemeinsam um einen erdähnlichen Planeten kreisen.

Astronomen entdecken vorkopernikanisches Sonnensystem
(Nebelspalter)

Das verblüffende Sonnensystem haben Forscher im Sternbild Mentior Major entdeckt: Der Planet Kepler-445 wird von einer Sonne, einem Mond, mehreren Gesteinsplaneten und zahlreichen Sternbildern umkreist. Das bisher unbekannte System ist rund 472 Lichtjahre von uns entfernt.

Noch hoffen viele Wissenschaftlicher hinter vorgehaltener Hand auf fehlerhafte Daten, aber inzwischen scheinen die Beweise einfach zu offensichtlich: Das Planetensystem Kepler-445 hat die kopernikanische Wende nicht mitgemacht. Allerdings ist noch unklar, wie stark das entdeckte Gebilde insgesamt vom heutigen Wissensstand abweicht - und ob es noch weitere ähnliche Systeme geben könnte.

Der ungefähr erdgrosse Planet Kepler-445 macht die Astronomen und Astrophysiker übrigens nicht nur dadurch fassungslos, dass er ca. alle 23,9954 Stunden von seiner Sonne und den ihr gegenüberliegenden restlichen Himmelskörpern des Systems umkreist wird. Auch seine eigene Gestalt ist vollständig vorkopernikanisch beschaffen. Der rätselhafte Planet ist dem Äquator entlang geteilt in eine untere Hemisphäre aus Gestein und Wasser sowie in eine obere, mit Luft gefüllte und von einer Kristallkuppel umschlossene Hemisphäre. «Es ist nicht auszuschliessen», so ein Wissenschaftler des Entdeckerteams, «dass sich auf der Scheibe dazwischen das entwickeln konnte, was wir voraufgeklärtes Leben bezeichnen würden.»

Erste Reisepläne

Die Sensations-Entdeckung ist kaum bestätigt, da quillt das Internet schon über mit Spekulationen, was dies für unsere eigene Welt bedeuten könnte. Der Vatikan äusserte sich mit sichtlicher Genugtuung zur jüngsten Entdeckung und veröffentlichte in Anspielung an Galileo Galilei die päpstliche Bulle «Tamensi non movetur» (Sie dreht sich doch nicht), in der Pontifex Franciscus anbietet, Benedikt XVI als Papst auf der neu entdeckten Erde wieder einzusetzen.

Ohnehin sind die Vorschläge zahlreich, jene Teile der Weltbevölkerung nach Kepler-445 auszusiedeln, die sich nichts sehnlicher wünschen als eine Rückkehr zu einem Weltbild, wie wir es noch im Mittelalter kannten. «Wir befürchten allerdings, dass wir fundamentale Islamisten, strenggläubige Kreationisten oder patriotisch-braune Europäer niemals auf diese eine, sondern nur auf drei verschiedene geozentrische Erden verfrachten könnten», so der Wissenschaftler weiter. «Die Suche muss also weiter gehen.»

Elon Musk, CEO des Raumfahrtunternehmens SpaceX, das bekanntlich bereits Pläne für eine Mars-Kolonie verfolgt, hat auf Twitter bei aller Sympathie für solche Umsiedelungen überzogene Erwartungen relativiert. Das Licht von Kepler-445 sei 472 Jahre unterwegs zu uns gewesen, stamme also aus dem 16. Jahrhundert. Wer wisse schon, ob das System in der Zwischenzeit nicht auch die heutigen interstellaren Naturgesetze übernommen hat.

Korrigendum

In einer früheren Version dieses Artikels wurde irrtümlich vermeldet, dass Christoph Blocher noch am Freitag die Aktienmehrheit an SpaceX übernommen habe und Markus Somm als Commander einer geplanten Raumsonde eingesetzt wurde, die mit 1291 ausgesuchten SVP-Mitgliedern und einigen FDPlern alter Schule die Planetenscheibe Kepler-445 besiedeln soll. Aufgrund der astronomisch langen Reisedauer sei es leider unmöglich, die Kepler-445-Schweiz noch vor dem dortigen Marignano zu erreichen.

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