Wir sind der Volkssturm!

Jan Peters | veröffentlicht am 29.01.2015

Einer der im Zusammenhang mit Pegida-Aufmärschen und ähnlichen Erscheinungen derzeit am meisten gehörten - und am wenigsten geglaubten - Sätze aus bundesdeutschem PolitikerInnenmund lautet: «Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung sind ernst zu nehmen!» Ach ja?

Wir sind der Volkssturm!
Andreas Breinbauer | (Nebelspalter)

Und wenn dem willfährigen Volk, dem gemäss rechter Überzeugung stets ein «gesundes Empfinden» innewohnt, diese schrecklichen «Sorgen & Ängste» von Demagogen eingeflüstert werden, damit diese ihr braunes Süppchen darauf kochen können?

Könnte man denn mittels inniger Empathie für die «Sorgen & Ängste» der Bevölkerung nicht eventuell rechts von CDU/CSU noch ein paar Stimmen fischen? Denken sich diejenigen, denen die Krokodilstränen wegen des an den Fremden leidenden Volkes in den deutschnationalen Augen stehen.

«Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen» - irgendwie schon verwunderlich, zumindest auf den ersten Blick, dass die «Alternative für Deutschland» und andere Anhänger altdeutschen Volksliedgutes dort am zahlreichsten mit ruhig festem Schritt marschieren, wo es von den zu bekämpfenden islamistischen Kanaken und morgenländischen Kulturzersetzern so wenige gibt, dass man sie fast gar nicht sieht.

Der deutsche Mensch - er wankt nicht!
Aber genau das, liebe Volksgenossen, ist ja das Gefährliche am Sarazenen: Der hinterhältige Sauhund verstellt sich. Dies unterscheidet ihn eminent vom geradlinigen deutschen Menschen, der aufrecht durchs Leben schreitet und markig und gereift in den Sonnenuntergang bzw. die Zukunft blickt - sei es in Hamburg auf den Elbdeichen, an den Ufern von Maas und/oder Memel, an Etsch, Belt und dergleichen, am Nordkap oder in der Einöde Nordafrikas, die er zusammen mit dem Wüstenfuchs Rommel gegen General Montgomery, den Mamelucken, Lawrence of Arabia und anderes Kroppzeug verteidigt hat, verteidigt und verteidigen wird.

Oder sei es als schneidiger Kaleu auf einem der Grauen Wölfe der deutschen U-Bootwaffe, die auf Befehl des Grossadmirals Dönitz den Atlantik wie Rachegöttinnen durchpflügen, um die Geleitzüge der degenerierten Amerikaner und der tückischen Briten mit ihren Torpedos zur Hölle zu schicken.

Und stürzt sich als todesverachtender Kampfpilot im jaulenden Stuka auf Stalingrad, wo gerade General Paulus zu seinen Offizieren sagt: «Ich nehme die Sorgen & Nöte meiner 6. Armee durchaus ernst! Rührt euch, ein Lied: Es steht ein Soldat am Wolgastrand.»

So weit aus dem Drehbuch zum Grossfilm «Kolberg II» des Regisseurs Jogi Gauck, in dem ursprünglich A. Merkel die Mutter Courage geben sollte. Die Rolle wurde aber später gestrichen, da eine Verwechslung vorlag.

Hört das denn niemals auf?
Spätestens jetzt stellt sich die Frage: Was hat denn dieser ganze schändliche Fascho-Müll mit Pegida, dem Verein zur Rettung westlicher Kretins, zu tun? Wäre der real existierende Schwachsinn von Dresden, wo ein Haufen Geistesgestörter gegen eine unsichtbare Front demonstriert, genauso verschroben daneben wie das gerade zitierte virtuelle Drehbuch, man könnte sich einfach einen netten Kinoabend machen bei Anton Hynkel, dem Grossen Diktator, der nach Lebensraum im Osten lechzt. Ihn mit Popcorn bewerfen und sich scheckig lachen über so viel todernsten Blödsinn.

Das Volk hat immer recht!
Leider spielen die Vollpfosten in Dresden aber keine miesen Filmrollen, sondern sich selbst! Und das ist noch viel grausamer als der schlimmste «Top Gun»-Hollywood-Trash eines Tom Cruise, der wechselweise mit Testosteron- und russischen MiG-Attacken zu kämp­fen hat.

Und wieder: «Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung sind ernst zu nehmen!»

  • «Hosianna! Kreuziget ihn!» - sprach Pontius Pilatus dem Volk nach und liess Jesus Christus, den König der Juden und Feind des Römischen Reichs, grausam hinrichten.
  • «Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung sind ernst zu nehmen!» - sprach Adolf Hitler und liess im November 1938 Synagogen und jüdische Geschäfte plündern und verwüsten.
  • «Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung sind ernst zu nehmen!» - sprach Heinrich Himmler und liess die Feinde des deutschen Volkes, die aus Juden, Sinti und Roma sowie Homosexuellen bestanden, in den Lagern des Ostens ausrotten.


Was wollen eigentlich die «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» mit denjenigen machen, die das deutsche Volk bedrohen? Einer Zyklon-B-Sonderbehand­lung unterziehen?

Bei Matthäus 26 und nicht im Koran steht: «Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen!»

Artikel erschienen in der Ausgabe

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