EZB beschliesst Euro-Untergrenze

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 20.01.2015

Die Europäische Zentralbank koppelt den Wert des Euro ab sofort an die Weltmarktpreise für unbedrucktes Banknotenpapier und will diese Untergrenze bei 1:1 «mit allen Mitteln verteidigen». Damit beabsichtigt Frankfurt einem weiteren Wertverlust der Einheitswährung Einhalt zu gebieten.

EZB beschliesst Euro-Untergrenze
(Nebelspalter)

Seit Tagen warten die Finanzmärkte fiebrig auf Signale der Europäischen Zentralbank. Nachdem die Schweizer Nationalbank die Anbindung des Franken an den Euro fallen gelassen hatte, wurde heftig darüber spekuliert, wie die europäische Einheitswährung stabilisiert werden könnte. Mit der «sofortigen und kompromisslosen Anbindung» des Euro an die Ankaufspreise für unbedruckte Notenpapiere (hochweiss, glossy, 150g/m2, gehandelt in USD/1000 Bogen) setzt Mario Draghi nun ein selbstbewusstes Zeichen, das den Märkten und Spekulanten zeigen soll: «Bis hier, aber keinen Schritt weiter.»

Wider Erwarten wird die EZB aber vorläufig davon absehen, selbst für Hunderte von Milliarden Euro Staatsanleihen zu kaufen. Dennoch sehen sich die Währungshüter gezwungen, massiv Liquidität in den europäischen Markt zu pumpen, um Produktion und Konsum anzukurbeln. Deshalb erlaubt Draghi den einzelnen Euro-Mitgliedsstaaten, selbst die Geldmenge zu erhöhen. Erreicht werden soll dies, indem die Rückseiten der 27 Milliarden A4-Bögen, die von der Brüsseler Bürokratie jährlich allein zur Finanzpolitik bedruckt werden, in 1000-Euro-Noten umfunktioniert werden. Dazu sollen handelsübliche Farblaser- und Tintenstrahldrucker sowie eine spezielle Printer-Software genügen, welche die EZB in den kommenden Tagen für Windows, Apple OS und Android anbieten wird.

Die internationalen Finanzmärkte reagierten zunächst verhalten optimistisch auf die Ankündigung der EZB. Derzeit pendelt der Euro im angestrebten Kursverhältnis nahe der 1:1-Parität zum handelsüblichen Sicherheitspapier hochweiss, glossy, 150g/m2.

SNB reagiert auf Kritik

Unterdessen hat die Schweizer Nationalbank auf die breite Kritik an ihrem Entscheid vom vergangenen Donnerstag reagiert und ein Spendenkonto (PC 10-15000-6) eingerichtet, auf welches exportorientierte Schweizer Unternehmer und besorgte Tourismusbetriebe ihren Freibetrag überweisen können, um der Nationalbank weitere Stützungskäufe in Euro zur Schwächung des Frankens zu ermöglichen. Bis Redaktionsschluss sind so bereits CHF 000'000'023.95 zusammengekommen, wie Nik Hartmann, spontan eingesprungener Botschafter der SNB-Aktion «Jeder Franken zählt», auf Anfrage nicht ohne Stolz bestätigte.

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