Volkszählung in Israel wird abgebrochen

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 23.12.2014

Das Oberste Gericht Israels hat eine für Donnerstag geplante Volkszählung letztinstanzlich mit sofortiger Wirkung verboten. Es gab dem Rekurs eines Ehepaares Recht, welches an der Weisung, sich für die Zählung am Geburtsort des Ehemannes einfinden zu müssen, einen Verstoss gegen den Gleichstellungsartikel geltend machte.

Volkszählung in Israel wird abgebrochen
Unbekannte Flugobjekte auf einem israelischen Aufklärungsbild (Nebelspalter)

Internationale Verfassungsrechtler hatten bereits im Vorfeld kritisiert, dass eine Volkszählung, die Personen am Geburtsort statt am Wohnort erfasst, demographisch-statistisch «totaler Unfug» sei - und auch logistisch und sicherheitspolitisch erheblichen Aufwand bedeute, da viele Orte in der Besatzungszone lägen und durch hohe Sicherheitsmauern voneinander getrennt seien. Viele kleinere Ortschaften in der Region sind seit Tagen heillos überlaufen, die örtliche Hotellerie ist - falls vorhanden - bis aufs letzte Bett belegt.

Auch der aus Nazareth nach Betlehem angereiste Jozef Zimmermann, der nun erfolgreich rekurriert hat, beklagte sich gegenüber mindestens vier verschiedenen Quellen darüber, eine Unterkunft zugewiesen bekommen zu haben, die zugleich als Behausung für mehrerer Nutztiere diene - und dies, obwohl er mit seiner hochschwangeren Frau angereist war.

«Besonders stossend war, dass dieselben Behörden, die uns diese Unterkunft zugewiesen haben, darauf aufmerksam machten, dass im Falle einer Niederkunft in einem hygienisch bedenklichen Stall das Kind wegen groben Verstössen gegen elterliche Fürsorgepflichten in Pflegeobhut genommen und für die Adoption freigegeben werden müsse.»

In sozialen Netzwerken schlägt dem klagefreudigen Jozef Zimmermann allerdings nicht nur Zuspruch, sondern auch Kritik entgegen. Seine Gegner verbreiten unter dem Hashtag #Maria&Gabriel die Behauptung, dass Jozef gar nicht der leibliche Vater des ungeborenen Kindes seiner schwangeren Frau sei. Auch im Ort Bethlehem selbst hatten sich lokale Tierzüchter über die Unruhe beschwert, die Jozef Zimmermann mit seiner Frau seit der Anreise verbreite und so die nächtlichen Ruhezeiten der Schafherden störe.

Weitere rätselhafte Vorkommnisse

Der Entscheid des Obergerichts fällt in eine ohnehin schon turbulente Zeit mit einigen beunruhigenden Vorkommnissen in der Region. An der Grenze zu Jordanien war erst gestern eine auffällig gekleidete Gruppe von drei Männern verhaftet worden, die eine erhebliche Menge an Rauschmitteln und Edelmetall mitgeführt haben soll. Das Gerücht, das Gold könnte dafür bestimmt gewesen sein, die finanzielle Notlage der Autonomiebehörde im Gazastreifen zu lindern, wurde bislang von der Regierung nicht kommentiert. Die Männer sollen bei ihrer Verhaftung angegeben haben, sie seien einem Feuerschweif am Himmel gefolgt, was zumindest für israelische Experten verklausuliert auf neue Raketen der Hamas hindeuten könnte. Noch ist aber offen, ob sie wegen Terrorismus-Verdacht oder nur wegen Drogendelikten angeklagt werden sollen. Ob die mitgeführte Goldmenge nach OECD deklarationspflichtig gewesen wäre, ist zur Stunde unbekannt.

Noch weit beunruhigender ist aber ein Gerücht, das aktuell in amerikanischen Sicherheitskreisen die Runde macht: Israels Luftwaffe (vgl. Bild) soll in der vergangenen Nacht über der Westbank eine Vielzahl unbekannter fliegender Objekte beobachtet und mit gezielten Warnschüssen vertrieben haben.

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