Der griechische Wein ist ausgetrunken

Wolf Buchinger | veröffentlicht am 23.12.2014

Zum Tod des österreichisch-schweizerischen Ausnahme-Musikers.

Der griechische Wein ist ausgetrunken
(Nebelspalter)

Lieber Udo,

Gott liebt dich nicht! An einem frühlingshaften Dezembertag lässt er dich los, bei strahlendem Sonnenschein (was sonst?) hält er dein Herz an. Gottlieben wurde zu deinem Schicksal. Ob es überlastet war durch die zahlreichen kräfteraubenden Auftritte oder ob es sich verzehrt hat auf der ewigen Suche nach Frau und Liebe, wird nie bekannt werden. Wahrscheinlich hattest du als Arbeitstier beim Ohnmächtig werden auch ein schlechtes Gewissen, dass die nächste Tournee gefährdet ist. Du hast vor Wochen gesagt, dass du «bis zum Umfallen» weitersingen willst! Das eigene Orakel hat sich erfüllt.

Du warst erfolsverwöhnt, auch als Senior, der mit achtzig noch fit und textsicher auf der Bühne steht. Emil, Charles Aznavour und Tina Turner werden den Atem anhalten und eine Weile über sinnvolles Altern nachdenken. Leben als endlose Kreativität, das hast du uns in Perfektion gezeigt, dabei viele neidisch gemacht, etliche aber angestachelt, bis ins hohe Alter Geniales zu suchen und zu tun. Merci.

Oh ja, ein banales Erlebnis im Vergleich zu deinen Werken. Mit meiner Studentenband haben wir «Merci cherie» am Abend nach deinem grandiosen und leisen Sieg im «Grand Brie de la Chanson» mit «Merci cherie» begonnen. Die Leute haben getobt, wir mussten es bis zum Morgen noch sechs Mal spielen. Riesendank für einen winzigen Erfolg.

Und jetzt bist du viel zu früh Geschichte und wirst da oben bei den ganz Grossen Platz nehmen. Vielleicht hat Petrus Edith Piaf ans Tor zitiert und sie wird dich begrüssen mit «Non, je ne regrette rien».

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