Vorgezogener Epilog

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 09.12.2014

Wie schon George W. Bush verwandelt sich Barack Obama nach den Mid-Term- Wahlen seiner zweiten Amtszeit in eine lahme Ente. Nur diesmal war die Ausgangsspezies kein Falke, sondern eine Friedenstaube.

Vorgezogener Epilog
Philipp Ammon |   (Nebelspalter)

Obama. - O Barack... - O Barmherziger, erlöse uns von den Sünden deiner Vorgänger, riefen wir damals, als wir die Strassen zu Tausenden säumten, auf denen du huldvoll entlanggingst, und die Welt irisierte im Lich­terglanz deiner Gloriole wie sonnenbeschienener Morgentau an einem Frühlingstag, der alles neu machen und alles Dunkle der vorangegangenen Finsternis der Vergessenheit anheimstellen will.

Obama. - Ob am A... - Ob am Abend deiner Amtszeit der Tag noch so gelobt sein wird, wie wir ihn uns einst ausgemalt hatten, ist längst keine Frage mehr, sondern traurige Gewissheit, denn die lichten und bunten Farben sind längst aufgebraucht und das letzte Viertel jenes Bildes, das die Welt von dir am Ende bewahren wird, wird nur noch in grauen und blassen Tönen gehalten sein.

Obama. - Ob Am... - Ob Amerika dein Bild dereinst auf Geldscheine drucken oder in Felsformationen meisseln wird, ob dein Name Pate stehen wird für Parkanlagen, Schulen und sogar Flughäfen, ist kaum mehr zu erwarten, dafür gibts, soweit bekannt ist, noch kein Wort für die Enttäuschung, die eintritt, wenn sich das gleis­sende Licht des Heiligenscheins nur als pures Blendwerk entpuppt. Doch wir brauchen dieses Wort nicht, wir würden es ohnehin um­gehend vergessen für den Nächsten, der huldvoll die Strassen entlanggeht und uns werweis­sen lässt, ob am Ende doch zur richtigen Zeit am richtigen Ort ein einziger Mensch alles verändern kann.

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