«Unwort des Jahres» wird überraschend Unwort des Jahres

Carole Starrmilch | veröffentlicht am 27.11.2014

Damit hat keiner gerechnet: Das Unwort des Jahres 2014 lautet «Unwort des Jahres». Dies gab heute die zuständige Jury auf Radio SRF3 bekannt.

«Unwort des Jahres» wird überraschend Unwort des Jahres
(Nebelspalter)

«Der ungewöhnliche Entscheid sorgte auch innerhalb der Jury für längere Diskussionen», hält Jurymitglied Fritz Bänzli fest. Das Unwort des Jahres wird seit 2003 in einem zweistufigen Verfahren bestimmt. Eine fünfköpfige Jury kürt das Unwort jeweils aus Hunderten von Vorschlägen, die von den Hörern von SRF3 eingereicht werden können.

Nun sieht es ganz danach aus, dass das «Unwort des Jahres» Opfer des eigenen Erfolgs geworden ist. Kaum tauche ein neuer Ausdruck wie etwa «Dichtestress», «Gerigate» oder «Ice Bucket Challenge» in den Medien auf, werde er sogleich zum Kandidaten für das Unwort des Jahres emporgeschrieben. «Die Leute sind es offenbar satt, dass Sprache in Worte und Unworte aufgeteilt werden soll», vermutet Fritz Bänzli. «Die Verlogenheit liegt letztlich nicht in der Sprache, sondern bei den Menschen, die sie benutzen.» Ein Putin, ein Erdogan, eine Kiener-Nellen oder ein Wigdorovits brauchen keine Unworte, sondern normale Worte, um Unhaltbares oder Unwahres zu verbreiten.

Auf Platz zwei der eingesandten Vorschläge 2014 befindet sich übrigens ebenfalls überraschend das Wort «Demokratiedefizit». Der Sender liess dabei offen, ob die Hörer damit ihren Unmut zum Ausdruck bringen wollten, dass die jährliche Sprach-Kür im Schlussgang nicht demokratisch legitimiert sei, sondern reichlich unschweizerisch von einem Gremium ausgetragen werde. Letzte Woche wurde bekannt, dass die SVP diesen Umstand mit einer Volksinitiative korrigieren will.

Deutschland: «Mautti»

In Deutschland hat sich der Ausdruck «Mautti» durchgesetzt, eine spielerische Verbindung aus der umstrittenen Maut für ausländische Autofahrer und «Mutti Merkel», welche dieses unsinnige Vorhaben aus koalitionspolitischen Gründen durchgepeitscht hat. Als Satz des Jahres gewann seit 1945 zum 69. Mal in Folge «Das wird man wohl noch sagen dürfen», wobei anzumerken ist, dass «FC Bayern» ebenfalls seit neun Jahren «Unwort des Jahres» wäre, hätte man Clubnamen überhaupt zur Wahl zugelassen.

Vatikan: «Transubstantationsrefrigorator»

Auch im kleinen Kirchenstaat Vatikan wurde in dieser Woche das Unwort des Jahres gewählt. Dabei machte «Transsubstantationsrefigorator» das Rennen. Der Begriff stammt aus dem äusserst umstritten theologisch-wissenschaftlichen Aufsatz eines bislang öffentlich nicht in Erscheinung getretenen Kirchengelehrten, der darin die These postulierte, dass bei der Wandlung von Wein und Brot in die energiedichteren Stoffe Blut und Fleisch nach physikalischen Gesetzmässigkeiten der Umgebung signifikante Mengen Energie entzogen werden müssen. Dieser Vorgang lasse sich demnach, so die umstrittene Folgerung, gezielt eingesetzt nutzen, um die Klimaerwärmung abzuschwächen oder gar umzukehren.

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