Erste Ausstellung im Gubrist schon im Dezember?

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 20.10.2014

Ob Soja-GAU oder gewöhnlicher Dauer-Stau: Das Nadelöhr Gubristtunnel wird gemäss ASTRA frühestens anno 2025 beseitigt. Nun soll ein Begleitprogramm wenigstens das Warten erträglicher machen.

Erste Ausstellung im Gubrist schon im Dezember?
(Nebelspalter)

Was für ein Timing: Genau zu der Zeit, in der sich auf der A1 rund um dem Gubrist die Autos mal wieder mit bis zu zwei Stunden Zeitverlust stauen, stellt die Investorengruppe «Gubrist erfahren» in einer Medienkonferenz im Restaurant Winzerhaus Weiningen eine Idee vor, die so provokativ wie genial ist: Sobald der Verkehrsfluss in einer Tunnelröhre unter 30 Stundenkilometer fällt, sollen sich die Wände in Ausstellungsflächen verwandeln.

Zeitvertreib und Weiterbildung

«Kaum irgendwo im Leben eines Berufspendlers erhält man noch so viel ungeteilte Aufmerksamkeit wie bei der Stop-and-Go-Fahrt durch den grössten Flaschenhals der Schweiz», sagt Projektleiter Stefan Stauber. «Am Nadelöhr wird sich so schnell nichts ändern, wir wollen den Autofahrern helfen, die Zeit angenehmer über die Runden zu bringen.» Zwar sei Plakatwerbung bekanntlich auf dem Nationalstrassennetz verboten, aber glücklicherweise lasse das Gesetz bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h eine legale Lücke. Stauber bezieht sich auf ein Bundesgerichtsurteil, dass einem Autofahrer sogar Recht hab, der im Stau am Steuer Zeitung gelesen hatte. «Mit unserem Konzept behalten die Fahrer die Hände sogar am Steuer, das ist sicherer als simsen oder telefonieren.»

Sogar mit Verpflegungs-Automaten

Kommt der Verkehr ganz zum Erliegen, wie heute früh geschehen, dann sollen zudem automatisch alle 500 Meter in der Tunnelwand versenkte Getränke- und Snack-Automaten aktiviert werden. Ein grosser, nationaler Hersteller ist entsprechend Mitglied der Investorengruppe «Gubrist erfahren».

«Eine Umsetzung ist in kürzester Zeit möglich, technologisch steht alles bereit», ergänzt Stauber weiter: «Es ist uns sogar möglich, nebst Ausstellungen und News-Meldungen ganze Kurzfilme zu zeigen.» Das Prinzip kennen die meisten Schweizer aus der Skymetro im Terminal E des Zürcher Flughafens. Das System könnte die Filmwahl automatisch anhand der Durchschnittsgeschwindigkeit im Tunnel berechnen. «Falle diese unter 3,5 Stundenkilometer, hätte man sogar Zeit für eine Wiederholung der Miss-Schweiz-Wahl oder von Udo Jürgens' Geburtstagsshow», schmunzelt Stauber, «wenn nur das Risiko nicht zu gross wäre, dass dann viele Leute verzweifelt die Gaspedale durchtreten.»

Künstlerische Leitung beim Bund?

Die Investorengruppe kann sich allerdings auch vorstellen, die künstlerische Leitung und damit die Vergabe der Ausstellungsflächen an eine Bundesstelle im Bundesamt für Kultur zu übertragen. Dort zeigt man sich in einer erster Stellungnahme grundsätzlich erfreut: «Wir wären auf jeden Fall die richtige Stelle dafür», so eine Sprecherin des BAK gegenüber dem Nebelspalter, «und wir sind überzeugt, dass wir ein erstes Vergabekonzept bereits im Sommer 2025 vorlegen könnten.»

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