Nicht nur «Carlos» verdient eine zweite Chance

Diana von Ow | veröffentlicht am 03.10.2014

Jeder hat eine zweite Chance verdient. Sogar die SRF-Filmemacher hinter dem «Fall Carlos». In einem zweiten Dokfilm räumten die Autoren Hanspeter Bäni und Simon Christen mit dem Vorwurf der Kuschel-Justiz auf und zeigten die ganze Härte des Sondersettings für einen straffälligen 17-Jährigen. Wie der «Nebelspalter» weiss, wird die «Strategie der zweiten Chance» nun auch auf andere SRF-Skandale und -Flops ausgeweitet.

Nicht nur «Carlos» verdient eine zweite Chance
(Nebelspalter)

Für nächstes Jahr ist demnach auch bereits die Neuauflage des Sommer-Specials «anno1914» geplant. Laut gut unterrichteter Quellen ist «Schweiz aktuell»-Leiter Daniel Pünter schon mitten in den Vorbereitungen zu «anno2014» - ein durchaus spannendes Jahr am Vorabend des Dritten Weltkrieges zwischen Aufbruch und Tradition, Optimismus und Zweifel. Diesmal dürfen die Laiendarsteller alles «super», «mega» und «cool» finden, ohne damit sprachhistorisch total danebenzuhauen. Anders als bei der völlig spannungslosen Erstauflage wird 100 Jahre später der Medienskandal um einen Schweizer Stadtammann im Zentrum der «Scripted Living History»-Produktion stehen, in der es diesmal nicht an Detailtreue und Authentizität mangelt. Moderiert wird die Sommerloch-Sendung abermals von Michael Weinmann. Bei «anno2014» wird ihm aber sexy Michele Hunziker assistieren.

Auch zweite Chance für «Die Schweizer»
Weiter ist eine stark verbesserte Auflage des Doku-Dramas «Die Schweizer» in Planung: Die zweite Staffel unter dem neuen Namen «Die Schweizerinnen» soll der Kritik an einer zu männlichen Geschichtsschreibung Rechnung tragen. Ein 200-köpfiges Expertinnenteam aus feministischen Historikerinnen arbeitet seit März an der Auswahl der zu porträtierenden Schweizerinnen und konnte sich inzwischen bereits darauf einigen, dass in den Sitzungsprotokollen mindestens 50% aller verwendeten Substantive ein weibliches grammatisches Geschlecht aufweisen müssen.

Nochmals eine Chance bekommen auch die Live-Kommentatoren und Studio-Experten der vergangenen Fussball-WM. Auf SRF 2 werden alle WM-Spiele nochmals mit neuen, unerwarteten Emotionen, präzisen Kommentaren und fundierten Analysen im Studio nach-synchronisiert. Einzig für den Schweizer «Tatort» sind bisher noch keine Pläne bekannt. Insider vermuten aber, dass dieses Projekt schlicht nicht umgesetzt werden kann. Reto Flückiger hat nach zehn Folgen nämlich längst alle seine Chancen verspielt; es gibt einfach keine Hoffnung mehr, einen Schweizer Tatort noch besser hinzukriegen.

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