Kölliker Sondermüll-Hallen werden unter Denkmalschutz gestellt

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 31.08.2014

Die drei Hallen der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) sollen ins Kantonale Denkmalverzeichnis eingetragen werden. Im schriftlichen Entscheid sind als wichtigste Gründe «der erhebliche umweltgeschichtliche und architektonische Wert» der SMDK angeführt.

Kölliker Sondermüll-Hallen werden unter Denkmalschutz gestellt
(Nebelspalter)

«Infolge des erheblichen wirtschaftshistorischen, architektonischen und touristischen Wertes der SMDK sind die drei Haupthallen in das kantonale Denkmalverzeichnis einzutragen.» Diesen Entscheid, der gleichbedeutend ist mit der Unterschutzstellung des markanten Hallen, hat die Leiterin der Dienststelle Kultur und Geschichte des Kantons Aargau, Murielle Müllmann, gefällt. Ursprünglich war beim insgesamt 810 Millionen Franken teuren Projekt der Rückbau ab 2016 vorgesehen gewesen.

Dass die Schutzwürdigkeit von Industriebauten aus der Nachkriegszeit immer wieder kontrovers diskutiert wird, ist nichts Neues. Mit dem Schutz der imposanten Hallen, die erst 2006/2007 erbaut wurden, geht der Aargau jedoch weiter als die meisten anderen Kantone. «Die Deponie und ihr aufwändiger Rückbau sind ein Teil unserer Zivilisationsgeschichte. Wenn wir das jetzt schon erkennen und die Aussenhülle der Hallen als mahnendes Beispiel erhalten, kommt uns das günstiger, als wenn kommende Generationen hier ein millionenteures, unverständliches Mahnmal irgendeines dannzumal hochgejubelten Künstlers hinstellen müssen.»

«Bitte nur kein Asylzentrum»

Die Dorfbevölkerung, die erst durch diesen Artikel vom Entscheid erfahren wird, ist mehrheitlich schockiert. Im örtlichen Gasthof «Bären» trifft man am Stammtisch auf hängende Gesichter, manch einer zeigt sich ungehalten und ist wütend auf die Behörden. Die wenigen besonnenen Stimmen mahnen jedoch, dass man nun das beste aus der Situation machen müsse: «Die Hallen bleiben also da. Nun geht es darum, eine sinnvolle Umnutzung in Angriff zu nehmen», so einer der Dorfbewohner, «bevor der Kanton auf die Idee kommt, hier ein zentrales Asyl-Aufnahmezentrum oder einen arroganten, stadionlosen Stadtzürcher Fussballclub unterzubringen.»

Unbestritten ist, dass die Hallen in den letzten Jahren viel Interesse auf sich gezogen haben und dass man diese Tatsache auch für den Fremdenverkehr nutzen könnte.Gerade an Wochenenden sind die Autobahnraststätten Kölliken Nord und Süd voller interessierter Schaulustiger und Architektur-Kenner. «Vielen Schweizern ist noch immer nicht bewusst, dass der Aargau seit 1803 ein eigenständiger Kanton ist und nicht nur ein vom Bund verwalteter Autobahnkorridor. Kölliken kann helfen, dass sich das ändert.»

Selfie-Ausstellung?

Wohl nur der zweifelhafte Scherz eines Satireportals ist die Meldung, der Kanton wolle in den Hallen ganz in der Tradition des hier deponierten Sondermülls eine umfangreiche Dauerausstellung mit grossformatigen Politiker-Nackt-Selfies einrichten.

Mit Material von nebi/sat/ire

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