Tesla-Fahrer verdurstet

Carole Starrmilch | veröffentlicht am 04.07.2014

Ein Besitzer des Elektroautos «Model S» von Tesla ist in den USA beim Suizid-Versuch mit laufendem Motor in geschlossener Garage verdurstet.

Tesla-Fahrer verdurstet
(Nebelspalter)

Der unglückliche Selbstmordversuch in der kalifornischen Kleinstadt Modesto sorgt derzeit in den Vereinigten Staaten für viel Aufsehen. Paul Hoffman, nach aussen hin erfolgreicher IT-Spezialist und einer der ersten Besitzer einer jener hochgehandelten Elektrolimousinen der Marke Tesla, soll lokalen Medien zufolge während seines Suizidversuchs mit laufendem Motor in einem geschlossenen Raum verdurstet sein. Grund dafür ist die Tatsache, dass Plug-in-Elektrofahrzeuge wie das verwendete Model S grundsätzlich emissionsfrei laufen und das toxische Kohlenmonoxid, das bei laufenden Ottomotoren immer wieder zur Selbsttötung verwendet wird, gar nicht in letaler Konzentration entstehen konnte. Hoffman starb, während er auf die Autoabgase wartete, gemäss Gerichtsmedizin erst nach rund zweieinhalb Tagen an Flüssigkeitsmangel. Die Hinterbliebenen des Mannes haben der örtlichen TV-Station «Channel M» zufolge bereits eine Millionenklage angekündigt.

Experten halten es durchaus für möglich, dass «psychisch erkrankte oder angeschlagene Personen mit dem Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, in dieser emotionalen Ausnahmesituation schlicht vergessen, dass Elektrofahrzeuge abgasfrei sind». Finanzanalysten spekulieren nun darüber, inwiefern die Firma Tesla, um deren Elektrolimousinen in den vergangenen Monaten ein wahrer Hype entstanden ist, aus dem Vorfall Schaden nehmen könnte. Amerikanische Konsumentenschutzverbände jedenfalls forderten umgehend einen grossen Warnhinweis auf dem Autodisplay, welcher über den emissionsfreien Motor und über die Notwendigkeit genügender Flüssigkeitszufuhr aufklären soll, wenn die Fahrzeugelektronik bei Insassen ein verdächtiges Verhalten registriere.

Wird Elon Musk reagieren?
Aus dem Umfeld der Firma war zu vernehmen, dass man die erlittene Dehydration des Mannes zwar bedaure, zugleich aber davor warne, aus dem Vorfall ein weiteres Argument gegen Elektromobilität zu konstruieren. Im Herbst des vergangenen Jahres hatten zwei Fahrzeugbrände beim Vorzeige- Modell der noch jungen Automarke zu einem Kurseinbruch an der Börse und zu weltweiten Schlagzeilen geführt, obwohl die statistische Häufigkeit eines Fahrzeugbrandes bei herkömmlichen Autos weitaus höher liegt. Da Tesla damals dennoch umgehend mit verbesserten Sicherheitsmassnahmen reagiert hatte, schliessen Insider nicht aus, dass künftig ein serienmässig in der Mittelkonsole verbauter Frischwassertank vor vergleichbaren Unfällen schützen könnte.

News-Meldungen rund um den kalifornischen Autobauer erhalten derzeit so viel Aufmerksamkeit und PR wie Steve Jobs' Kultmarke Apple zu ihren besten Zeiten. Keine Nachricht, kein Gerücht, das nicht sofort auf allen Kanälen verbreitet wird: Etwa die Ankündigung, die eigenen Patente der Konkurrenz zu Verfügung zu stellen, oder die Meldung, das die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard ein «Modell S» als Dienstfahrzeug bestellt hat.

Die aktuelle Tragödie, die sich rund 150 km östlich von San Francisco ereignet hat, erreicht die amerikanische Öffentlichkeit zum Zeitpunkt einer bereits laufenden nationalen Debatte über den qualvollen Tod bei Todeskandidaten in einzelnen Bundesstaaten. In jüngster Zeit hatten neue Injektions-Mixturen beim Tod durch die Spritze zum ungewollt langen Todeskampf bei Verurteilten und daraufhin zu landesweiten Protesten geführt. Nun befürchten Anhänger des Kultautos, dass die Erdöllobby den Vorfall ausnutzen könnte, um Stimmung gegen Elektrofahrzeuge zu machen. Eine klare Mehrheit der Amerikaner befürwortet die Todesstrafe genau so wie das Waffentragen, verlangt aber ein wirksames und effizientes Sterben. Der Effizienzgedanke hat letztlich auch die Obama-Regierung beim Töten zunehmend auf klinisch saubere Drohnen-Einsätze setzen lassen - allerdings bislang nur im Ausland. Hier liegt Fachleuten zufolge denn auch mittelfristig die Lösung für das aktuelle Tesla-Problem: Registriert das Fahrzeug, welches ohnehin ständig mit GPS-Satelliten und Internet verbunden ist, dass ein Insasse bedenkliche Serotonin-Werte hat und vergeblich auf Kohlenmonoxid wartet, könnte ein schlagkräftiger Drohneneinsatz zielgenau nachhelfen, noch bevor der Insasse auch nur ansatzweise Durst verspürt.

Von Carole Starrmilch mit Material von nebi/sat/ire

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