Feuer und Flamme

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 03.07.2014

«Am Anfang war das Feuer», lautet der Titel eines in den 1980ern erfolgreichen und eher wortkargen Films über eine Gruppe Neandertaler im Holozän und über die zentrale Rolle, welche das Feuer auf unserem zivilisatorischen Weg aus der Berghöhle in die Goldküstenvilla gespielt hat.

Feuer und Flamme
Swen (Silvan Wegmann) |

So sollte auch an dieser Stelle ursprünglich eine flammende Lobrede auf die Magie des Feuers stehen. Auf das (vornehmlich durch XY-Chromosomensätze zelebrierte) Röstritual am Holzkohlengrill. Auf das Geschenk der Maillard-Reaktion, die totgehauenem tierischen Eiweiss diese unwiderstehlichen Duftaromen zu entlocken vermag. Nur: Plötzlich erkannte ich - wie von Brennsprit getroffen - die wahre kulturanthropologische Dimension hinter der prähistorischen Bändigung des Feuers.

Das erste Mammutsteak markiert nicht nur den Anfang, sondern impliziert gleichsam auch schon unser Ende. Die Romantik des Lagerfeuers steht nicht nur am Beginn des menschlichen CO2-Ausstos­ses und der Gründung des Weltklimarates, für dessen Berichte ganze Regenwälder abgeholzt werden. Sie verstellt uns im Zeitalter von verbotenen Glühbirnen und Heizpilzen auch den Blick auf die Tatsache, dass allein die Deutschschweiz in einer lauen Julinacht für einige angekohlte Cervelats mehr heisse Luft produziert als der gesamte Nationalrat während einer dreiwöchigen Session. Und das ist sehr, sehr viel heisse Luft.

Doch das ist noch nicht einmal die ganze Seite des Medaillons. Kochen von Lebensmitteln bedeutet vor allem auch eins: weniger Verdauungsaufwand. Höhere Energiezufuhr. Übergewicht und Fettleibigkeit. Damit ist unser Schicksal besiegelt. Wenn der Meeresspiegel steigt, werden wir zu träge sein, auf die Berge zu klettern. Ausser die Mitglieder des Klimarates. Die sind dann ja bereits auf ihrem Gipfel.

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