Rechte Fouls und linke Fehlpässe

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 05.06.2014

Gleich vorweg: Diese Ausgabe ist total rechtslastig. Nananana! Immer schön weiterlesen, liebe Deutsch- und Zeichenlehrer, die es sich gerade mit diesem Heft und einem Din­kelbier in der Abendsonne auf dem Balkon gemütlich gemacht haben, an dessen Geländer vom letzten Golfkrieg noch immer eine ausgebleichte «Pace»-Fahne hängt.

Rechte Fouls und linke Fehlpässe
Swen (Silvan Wegmann) |

Wir wollen doch tolerant sein und erst mal lesen, was der Schreiberling aus Horn sagen will. Natürlich ist der «Nebi» nicht in dem Sinn rechtslastig, son­dern eben - im anderen Sinn.

Es gehört zu den Unzulänglichkeiten der deutschen Sprache - der französischen übrigens auch - dass im Wörtchen «recht» sowohl «richtig, passend, angenehm» wie auch «den anzuwendenden Gesetzen entsprechend» vereint sind, während eine extrem «rechte Gesinnung» in unserem Sprach­gebrauch ja eine durchaus unangenehme und unpassende Ideologie zu umschreiben pflegt, die darüber hinaus nicht zwingend den geltenden Gesetzen entsprechen muss.

Wobei das Bundesgericht jüngst eine recht rechtsfreundliche Rechtsauf­fassung an den Tag gelegt hat: So darf Hitler ab sofort wieder straffrei gegrüsst werden, obwohl dieser nunmehr seit bald 70 Jahren aus­ser Hörweite ist und an einem Ort schmort, wo es nach abendländischer Tradition richtig heiss und passend unangenehm sein soll.

Ich wünsche Ihnen allen auf dem Balkon in der Abendsonne viel Spass mit dieser «Alles, was Recht ist»-Ausgabe. Und falls Sie in den nächsten Wochen statt «Pace» doch lieber Gewinner und Verlierer, Freistösse und Fouls sehen: Es bleibt gerade noch Zeit, die Flagge auf dem Balkon auszuwechseln. Die Fahne jener Mannschaft, die wohl für Verlieren und Fehlpässe zuständig ist, finden Sie notfalls auch bei den 1.-August-Dekorationen.

Artikel erschienen in der Ausgabe

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