Weinland Ecuador

Thomas C. Breuer | veröffentlicht am 01.05.2014

Der bekannteste Ort Ecuadors ist natürlich die Botschaft in London. Die Weine des Landes gehören zu den armen Tropfen aus Übersee, die gerne mal übersehen werden.

Weinland Ecuador
(Nebelspalter)

An den Anden kommt keiner vorbei, sie bestimmen das Klima in Ecuador und somit den Alltag. Wir haben es mit einem niederschlagsreichen Land zu tun, dessen Bewohner häufig einen niedergeschlagenen Eindruck machen, was sich wiederum negativ auf das Konsumklima auswirkt. In den tieferen Lagen begegnet man dem tropischen Regenwald, weiter oben in den Kordilleren dem untropischen Schneewald. Starke Tag- und Nachtschwankungen auf grossen Höhen findet man nicht nur bei den Temperaturen, sondern auch bei den Wein-Afficionados. Nicht viele Menschen können sich Wein in einem Land leisten, dessen Staatshaushalt, weltweit einmalig, durch Crowdfunding finanziert wird. Eine Ausnahme ist der Methanolo Superior aus Borracho, ein exzellenter Frühstückswein, der auch für ärmere Schichten erschwinglich ist. Bei diesem Wein ist er durchaus angebracht, dieser bekannte Trinkspruch: «El hídago no existe!» - die Leber existiert nicht! Die meisten Rebstöcke stehen im Mittelfeld, wo die Weine in Talkesseln zubereitet werden. Viele Winzer beissen auf Granit, aber der Boden ist nicht übel, das Schwemmmaterial hat aus den Bergen keine weiten Wege zu bewältigen, wodurch die Auflage schwerer Schwemmböden dünner und der Gehalt von Mineralien und Steinen viel grösser ist. Wesentlich geringer ist das Gehalt der Pflücker. Die Währung des Landes heisst Sucre, das ganze Land wirkt leicht überzuckert, was auch für den Wein nicht ohne Folgen bleibt. Neuerdings gibt es aber viele kleine Bodegas, die sich zusammengeschlossen haben. Dem bisweilen aufbrausenden Temperament ist eine gewisse Vorliebe für die Spontan­gärung geschuldet. Der Weinbau hat eine relativ junge Geschichte in Ecuador. Schon die Spanier werkelten an den Trauben herum, Bewegung kam aber erst in die Sache, als im 19. Jahrhundert erste Rebstöcke von kalifornischen Einwanderern in die Region La Chispa gebracht wurden. Nicht zuletzt deshalb nennt man die anmutige Landschaft die «Toskana der Costa». Die Amerikaner zeigten den Einheimischen gleich, wer hier die Zirrhose anhat. Charakteristisch ist die sog. «Mundlese», d.h. die Trauben werden von den Winzern mit den Lippen aufgenommen, im Mundraum zu winzigen Original-Bottichen aus Zypressenholz transportiert und dort sanft ausgespuckt und dann von Hand zum Weinkeller verbracht, wo sie bei schonender Pressung fröhlich aufplatzen. Dazu trinkt man am besten ein frisch gezapftes Bier.

Artikel erschienen in der Ausgabe

loader