«#barba-rha-Bar-Ba-&sansRh⁄aum13:»

Jan Peters | veröffentlicht am 30.04.2014

Als ausgebuffter User und gewitzter Applier neuer Me­dien, sozialer Netzwerke, Apps, Digital Publishing Suites, Combat Games und sonstigen elektronischen Plunders wissen Sie, dass Ihr oben genanntes, kurzfristig nahezu fälschungssicheres...

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Markus Urfer | (Nebelspalter)

... Master-Passwort, das wir Ihnen aus gegebenem «Heartbleed»-Anlass hiermit zusenden und im unberechenbaren Rhythmus unseres SSL-Zufallsgenerators pausenlos kostenpflichtig erneuern, keinesfalls (!!) von Ihnen notiert werden darf; es sei denn, in Ihrer persönlichen Cloud - wobei Sie sich hoffentlich darüber im Klaren sind, dass es gar keine «persönlichen» Clouds gibt.

Dies müssen Sie ausserdem tun, um vor Datenklau sicher zu sein: Versehen Sie, nach Änderung Ihrer noch ungehackten Restpasswörter, Ihr 32-teiliges virtuelles Passwortschlüsselbund unbedingt mit einer Zwei-Faktoren-Authentifizierung: «Richten Sie dafür ein zweites Handy bzw. einen weiteren Festnetzanschluss für den Code-Versand ein und drucken Sie sich ferner einen Zettel mit zehn zusätzlichen Anmelde-Pins aus», wie SPIEGEL online, der führende Hamburger Intelligenzanzeiger, seiner wegen «Heartbleed» zutiefst verängstigten Leserschaft kürzlich fernab jeglicher Ironie und Satire wärmstens ans hanseatische Heart legte.

Lernen Sie nun alle 32 Passwörter plus das neue aus unserer Überschrift sorgfältig auswendig und verschieben Sie anschliessend den ganzen Krempel in die Cloud. Konsultieren Sie dazu regelmässig vorher den Wetterbericht, da das Dislozieren Ihrer enigmatisierten Messages nur bei wolkenverhangenem Himmel funktionieren wird. Am geeignetsten für Ihr Vorhaben sind Kumuli, da diese dicht und quasi undurchsichtig sind. An wolkenlosen Tagen missrät eine solche Aktion oft zu einem Schuss ins Blaue, die NASA wird Ihr Schlüsselbund abfangen, an ihre Tochtergesellschaft, die NSA, weiterreichen, und Sie haben garantiert den Salat. Und das Nachsehen.

++++++   WARNHINWEIS   ++++++

Diese Eingangsbemerkungen gelten ausschliesslich für DIGITAL NATIVES, die diesen Artikel NUR BIS HIERHER lesen sollten. Ab hier enthält der Text keine Piktogramme, sondern Buchstaben, womit er für Digital Natives unverständlich wird.

ANALOGE NATIVES - das sind Leute, die noch rudimentär lesen und schreiben können - lesen diesen Artikel ERST AB HIER mit Gewinn, da sie die ASCII-codierten Eingangsbemerkungen ohnehin nicht verstanden haben.

War das ein Schlag ins inzwischen vollständig digitalisierte Kontor, als uns kürzlich von sämtlichen Medien mit masochistischem Vergnügen die Horrormeldung um die Ohren gehauen wurde: «Heartbleed-Sicherheitslücke leitet den Untergang der zivilisierten Menschheit ein!» - Kreisch, heul, zeter: Den ganzen schönen Schotter, den wir mit List und Tücke mühselig am unersättlichen helvetischen Fiskus vorbeigeschleust hatten, hat irgendein nigerianischer Krimineller in null Komma nichts von unserem Konto mittels Phishing abgegriffen.

Und diesen retardierten afrika­nischen Arschgeigen, die weiter nichts können, als sich gegenseitig umzubringen, haben wir jahrzehntelang horrende Entwicklungshilfe in ihren Nilpferd-Rachen geworfen, statt uns selbst eine dringend nötige 24-h-Luftwaffe zuzulegen!

Man sieht jetzt klar und deutlich, was man von seiner Freundlichkeit und falsch verstandenen Menschenliebe hat: Statt dass diese Klippkaffern uns aus Dankbarkeit die Stiefel küssen, zocken uns diese Steinzeitkreaturen auch noch ab.

Jetzt aber wirklich mal von vorn und zum Mitschreiben: Was ist eigentlich genau passiert bei «Heartbleed», dem unheilvollsten Angriff auf unsere abendländische Leitkultur seit Dieter Bohlens «Deutschland sucht den Superstar»? Und welche Konsequenzen sollten wir aus dieser Attacke ziehen?

Im Sinne zeitgemässer Apokalypse-Berichterstattung, wie sie heutzutage von den Medien-Usern hoch geschätzt wird - zumindest behaupten einige Medien das -, möchten wir gleich eingangs darauf hinweisen, dass alles weitaus schlimmer ist, als es sich selbst die grössten Pessimisten unter uns jemals vorgestellt haben: Aufeinander abgestimmte Kernschmelzen in Fessenheim, Beznau 1 und 2, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg sowie der simultane Zusammenbruch des Gotthard-Massivs erscheinen gegen «Heartbleed» wie der kurzweilige Auftritt eines Zauberkünstlers bei einem Kindergeburtstag. Und der digitale Super-GAU steht nicht mehr vor der Tür, sondern ist bereits durch sämtliche Ports volle Kanne in unsere PCs eingedrungen!

Die Folgen sind verheerend: Erspartes weg, Ihre 450 besten Selfies futsch, drollige Fotos Ihrer neuen Freundin auf dem PC Ihrer Frau gelandet.

Damit hat Ihr Lebensweg sein Ende früher erreicht, als Sie selbst gedacht hätten, denn Ihre digitale Identität - die einzige, die Sie je hatten - ist dahin.

Es bleibt Ihnen nur noch: Hören Sie auf zu fluchen, pilgern Sie nach Lourdes, lassen Sie daselbst Ihren PC rebooten. Ostern liegt noch nicht lange zurück, und das dort tätige Personal kann für diese Jahresperiode hohe Erfolgsraten bei Wiederauferstehungsbemühungen nachweisen.

Artikel erschienen in der Ausgabe

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