Recep Tayyip Erdogan

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 03.04.2014

Wenige Monate ist es her, da erzählte ein schmächtiger Whistleblower in einem Hongkonger Hotelzimmer der erstaunten Welt, dass ameri­kanische Geheimdienste jedes kleinste Bytechen Information mitschneiden, das sich irgendwo auf dem Globus von A nach B bewegt.

Recep Tayyip Erdogan
Michael Streun | (Nebelspalter)

Heute reibt sich dieselbe Weltöffentlichkeit überrascht die Augen, wie riesige Gebilde vor aller Augen den Kurs wechseln oder gar vollständig verschwinden können - und kein Überwachungsprogramm der Welt liefert brauchbare Erklärungen.

Allein im Februar wiederholte sich das Unvorstellbare dreimal. Während das Schicksal der malaysischen MH370 weiterhin ungewiss ist, können Recherchen dieser Zeitschrift bei den Vorgängen auf der RUS1990 und der TR1923 wenigstens ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Bemerkenswert sind bei allen drei Vorfällen die Parallelen. Genau wie der malaysische Flug startet auch der russische zunächst wie erwartet auf seine vorgesehene Route: von Moskau in Richtung Westen. Gesteuert wird er seit Januar 2000 abwechslungsweise von den Piloten Wladimir Putin und Dimitri Medwedew. Trotz modernster Technologie entgeht der westlichen Flugsicherung jedoch lange Zeit, dass man im russischen Cockpit den Kurs manuell geändert hat und nun offensichtlich versucht, auf der Zeitachse rückwärts in die Sowjet-Ära zu gelangen. 

Bei der türkischen TR1923 liegt der Fall ganz ähnlich. Sie ist jahrzehntelang als Militärmaschine immatrikuliert, ehe sie der zivilen Nutzung übergeben wird. Die Flugroute von Ankara nach Brüssel gilt zwar als äusserst schwierig, aber denoch als mittelfristig lohnenswert. Der Pilot Recep Erdogan sitzt seit 2003 fest im Cockpit. Auch hier sieht sich die Fachwelt von den ab Sommer 2013 eintreffenden Ereignissen überrumpelt. Eine zunächst harmlos erscheinende Störung im Gezi-Areal veranlasst den Piloten, einen Teil der Passagiere niederzuknüppeln. Zu diesem Zeitpunkt setzt der Transponder aus, der bis dahin regelmässig Demokratiesignal­en nach Europa gesendet hat. Im Verlauf des weiteren Flugs wird die Lage zunehmend unübersichtlich. Während Pilot Erdogan nicht müde wird zu erklären, Terroristen und ausländische Mächte würden versuchen, die Kontrolle zu übernehmen, gelangen immer wieder Stimmen von Flugpassagieren nach draussen, die dem Piloten selbst Realitätsverlust attestieren. Nachdem vor einigen Tagen auch noch Twitter und Youtube im Bordsystem deaktiviert worden sind, ist davon auszugehen, dass den Passagieren demnächst sämtliche Freisprech-Kanäle entzogen werden sollen.

Während die internationale Gemeinschaft die beiden Flugkapitäne aus Ankara und Moskau ratlos beobachtet, scheint nur eines absehbar - die Bruchlandung. Offen bleibt: wann. Und: mit wie vielen Opfern. 

Artikel erschienen in der Ausgabe

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