Putins Putationsnotwehr

Jan Peters | veröffentlicht am 03.04.2014

Wiederholt sich Geschichte? Wiederholt sie sich nicht? Lernt der Mensch aus der Geschichte? Oder lernt die Geschichte aus ihm? Dies sind brennende Fragen, deren Beantwortung lange Zeit ausstand. Bis sich nun endlich der «Nebelspalter», das Magazin der letzten Wahrheiten, dieser komplexen Materie abschliessend annahm.

Putins Putationsnotwehr
Marian Kamensky | Marian Kamensky (Nebelspalter)

Lesen Sie nun exklusiv bei uns, warum sich Geschichte eventuell wiederholt; oder eben auch nicht. Finden Sie mit uns zusammen heraus, welche Geschichte sich nicht wiederholen sollte. Mit etwas Glück können Sie eine Reise nach Sewastopol oder eine Antarktisfahrt an Bord der «Akademik Schokalsky» gewinnen. Wir über­nehmen die Kosten für die Hinfahrt 3. Klasse. Wie Sie wieder heil nach Hause kommen? Ihre Sache.

Putin zündet Scheunen an und frisst kleine Kinder.

Wissen Sie noch, wie hysterisch und heuchlerisch die Sowjetunion reagierte, als die Mauer in Berlin endlich gefallen war?

Die Prawda (russisch: die Wahrheit) schrieb damals: «Nach dem Mauerfall und dem gegen das Völkerrecht verstossenden Anschluss der DDR an die BRD hat Moskau Sanktionen angedroht. «Es werden weitere Schritte unternommen», falls die US-Imperialisten und ihr westdeutscher Marionettenstaat ihren Kurs nicht änderten, erklärte ein sichtlich aufgebrachter Kremlsprecher.

Ein Repräsentant der Duma bezeichnete das westliche Vorgehen in Mitteleuropa als «Landraub». Die politische und wirtschaftliche Isolierung der westlichen imperialistischen Mächte werde sich verstärken, wenn die Regierungen in Washington und Bonn den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen, drohte die UDSSR.»

Stand das wirklich so in der Prawda (russisch: die Wahrheit)? Haha, reingelegt! Die Sowjetunion hat sich damals überhaupt nicht gross dazu geäussert, sondern war froh, dieses sozialistische Preussen namens DDR so elegant losgeworden zu sein.

Um unser Rätsel zu lösen, müssen Sie im obigen Text alle russischen Kerle durch US-Vizepräsident Joe Biden bzw. Regierungssprecher Jay Carney ersetzen. Aus der DDR machen Sie die Krim, die BRD wird zu Russland, das drohende Moskau wird zu Washington und Bonn. Addieren Sie dazu noch das Säbelrasseln der nach Osten expandierenden NATO sowie die Bestechungsgelder, welche die EU der Ukraine anbietet, um sie gegen Russland in Stellung zu bringen. Und Putin ist ein elender Bandit? Und wer will zurück in den Kalten Krieg?


Das Fricktal kehrt heim
Kommen wir nun zu anderen skandalösen Vorgängen, die wegen der 24 Stunden live im TV übertragenen nationalistischen Castingshows auf dem Maidan untergegangen sind:

Über lange Jahre gehörte das Fricktal zu Vorderösterreich, bis im Februar 1801 die Herrschaft Österreichs im Fricktal endete. 1802 kam es, mit Unterstützung Frankreichs, zur Gründung des Kantons Fricktal. Rheinfelden war während eines Jahres Hauptstadt des Kantons, bis dann die Gebiete 1803 auf Anordnung Napo­leon Bonapartes dem neu entstandenen Kanton Aargau angegliedert wurden.

211 Jahre später, in der Nacht vom 30. auf den 31. Februar, nutzte die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn das sich durch Klitschkos Schattenboxen eröffnende Machtvakuum schamlos aus, um ihrem ungeniert auf die Schweiz gerichteten Expansionsdrang zu frönen.

Die Habsburger Invasion begann damit, dass der k. u. k. Minenleger «Kaiser» zunächst die Fahrrinne des Rheins zwischen Schaffhausen und Rheinfelden verminte. Es folgte der k. u. k. Minenräumer «Schmarrn», der die Minen wieder entfernte. Dann dampfte ein Flottenverband der österreichischen Gebirgsmarine heran, bestehend aus dem k. u. k. Panzerkreuzer «Hansi Hinterseer», begleitet von den k. u. k. Zerstörern «Mozart» und «Kugel», die mit ihrer Schiffsartillerie Rheinfelden beschossen.

Anschliessend landeten Sturmtruppen des k. u. k. Leibregiments in Rheinfelden, zwangen die Bevölkerung zu einer Abstimmung und behaupteten anschliessend, Rheinfelden sei ab sofort österreichisch.

Und wenn Sie nun sagen, dass Ihnen Politik voll am Arsch vorbeigehe, solange noch genug Bier im Kühlschrank sei, dann sagen wir Ihnen: «Wenn Geschichte darauf angewiesen wäre, dass Typen wie Sie was draus lernen, dann lieber gar keine Geschichte mehr - ehrlich!»

Artikel erschienen in der Ausgabe

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