Gehüpft wie gesprungen

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 03.04.2014

Liebe Leserin, lieber Leser, gehören Sie noch zu jenen, die Wert auf Manieren und Anstand legen? Finden Sie es raus! Am Ende dieses Textes steht die Auflösung.

Gehüpft wie gesprungen
Swen (Silvan Wegmann) | Swen (Silvan Wegmann) (Nebelspalter)

Die Klage über den Zerfall der Sitten und den Verlust von Werten ist bekanntlich so alt wie die Menschheit selbst. Wäre darin auch nur ein Funken Wahrheit enthalten, würden wir folglich auf einer Reise zurück in der Zeit immer edlere und tugendhaftere Menschen treffen. Es gäbe gewissermas­sen eine Stunde null des vollkommenen Anstandes ? irgendwann zwischen Evas Sache mit dem angebissenen Apfel und Kains Sache mit dem erschlagenen Bruder. Und das ist natürlich Quatsch.

Wir werden genauso wenig immer barbarischer, wie wir umgekehrt durch höhere Bestimmung immer zivilisierter und vollkommener werden. Schwierig zu sagen, welcher der beiden Denkfehler eigentlich verhängnisvoller ist: Die alte «Früher war alles besser»-Leier oder das dümmliche «Es kommt schon alles gut»-Geschwurbel. Wie viel ist denn vom 1989 ausgerufenen «Ende der Geschichte» noch übrig, als man eine Epoche voller prosperierenden Demokratien angebrochen sah, der sozialen Marktwirtschaft verschrieben und von der reinen Vernunft geleitet?

Falls Sie nun vom ersten Abschnitt dieses Editorials direkt hierhergesprungen sind, gehören Sie zwar zur Mehrheit der Leserschaft, aber punkto Manieren doch nicht ganz aufs Siegertreppchen, das für jene Leser reserviert ist, die es dem Autor dieser Zeilen schuldig zu sein glauben, aufmerksam den ganzen Text zu lesen, auch wenn er wie üblich umständlich und poin­tenarm geschrieben ist. (Bisher hat dies übrigens nur die Korrektorin geschafft, und das auch nur, weil sie dafür bezahlt wurde).

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