Weinland Frankreich

Thomas C. Breuer | veröffentlicht am 01.04.2014

Charles Baudelaire hat geschrieben: «Wein verwandelt den Maulwurf zum Adler.» Willkommen also im Land der fliegenden Maulwürfe: Frankreich!

Weinland Frankreich
(Nebelspalter)

Nur Franzosen wissen, wie beide Spezies schmecken. Die Frage ist aber, ob die Franzosen ihr Essen überhaupt beurteilen können, da sie bei der Nahrungsaufnahme selten nüchtern sind. «Poisson sans boisson est poison», behaupten sie, Fisch ohne Getränk ist Gift. Sogar den hundsgewöhnlichen «Coq au vin» reichern sie mit Wein an. Alle anderen Nationen haben hundsgewöhnlichen Boden, sie aber haben das Terroir, und sie haben Tradition beim Weinbau, wenngleich böse Zungen behaupten, sie hätten die Weinberge nur angelegt, um an die leckeren Schnecken heranzukommen. «Ob Lebre de Stopf» oder «Schenkle de Frosch» - alle französischen Gerichte müssen absolument mit einer starken Alkoholfahne zubereitet werden, da diese die volle Aromaentfaltung überhaupt erst auslöst. Da Pastis, passt das, eine Flasche Sandwein aus einem idyllischen Barriqueschlösschen, man trinkt generell ex en Provence. Das französische Finanzministerium führt eine spezielle Weinabteilung, u.?a. mit einem eigenen Dezernat Betrugsvermeidung. Derzeit kaufen die Chinesen ja alles, was aus Frankreich kommt, vor allem Bordeaux. Jedes Jahr werden in China im Schnitt drei Millionen Flaschen Lafite Rothschild verkauft. Interessant, wenn man bedenkt, dass in Pauillac nur 200?000 Flaschen produziert werden. Das hat was Biblisches - ein Wunder! Sogar leere Flaschen werden in China für 500 Euro das Stück gehandelt - weil man sie neu abfüllen kann. Aber ach, bonjour tristesse: Die besten Weine verlassen selten das Land. Was nicht ohnehin von Gérard Depardieu persönlich weggeschluckt wurde, landet in den Kehlen anderer selbstsüchtiger Franzosen. Das hat Tradition: Als im Zweiten Weltkrieg die deutschen Truppen anrückten, haben sich die Franzosen noch schnell alle guten Tropfen einverleibt: «Encore un que les boches n' auront pas! - Noch einer, den die Deutschen nicht kriegen!» So blieb für die «Schwowe» bloss der Château de Chabernaque von der Domaine de la Migraine übrig - und auch dieser hielt nur ein paar wenige Jahre vor.

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