Weinland Schweiz

Thomas C. Breuer | veröffentlicht am 01.02.2014

Wie wird eigentlich der Jahrgang 2013? Zunächst einmal sind wie anderswo in Europa auch viele Schweizer Winzer ins Visier des amerikanischen Geheimdienstes NSA geraten, weil sie in Rundmails das Wort «Terroir» verwendeten, was die nur mässig sprachbegabten Geheimagenten natürlich missinterpretierten.

Weinland Schweiz
(Nebelspalter)

Der Schwarzriesling CVP von 2012 war ein Wein von hoher Konzentration, gerade so, als würde er über irgendetwas nachdenken. Er kam recht spritzig daher, vor allem, wenn man ihn kräftig schüttelte. 2013 hat die Konzentration deutlich nachgelassen, dafür fehlt ihm die Spritzigkeit. Der Rouge-de-Rouge SP ist auf der Suche nach dem Weinstein der Weisen. Der aktuelle Jahrgang offenbart eine gewisse schweflige Säure wie bei allem, was mit dem Teufel im Bunde steht. Probleme gibt es auch beim Grünen Veltliner - Wissenschaftler behaupten ja, der Klimawandel habe sich verlangsamt, was schlecht sei für bestimmte Weine - z.?B. für den grünen Tropfen, der vor allem die Gemüter erhitzt. Auch sorgt im Tessin das Verbot der Blindverkostungen, und dass Weine unverhüllt angeboten werden müssen, bei Rot und Grün für «Unhappy Hours».
Auch der Blauburgunder FDP wird kein Spitzenjahrgang, ihm geht bei Steillagen rasch die Luft aus, bei Schieflagen kommt er zudem schräg drauf. Im Anbaugebiet Hallau schwächelt sogar der Räuschling, ein Name, bei dem sonst keine Fragen offen sind.
Über den Grauburgunder SVP lässt sich wenig sagen, um das Mikroklima ist es nicht zum Besten bestellt, als Grund wird die soziale Kälte angegeben. Am Züriberg haben sich viele Erntehelfer mit Leseschwäche krank gemeldet, auch mit der Dominanz der Bündner Herrschaft könnte es schon bald vorbei sein. Dafür strotzt das Wallis derzeit vor Kraft, nicht zuletzt weil man dort die Kunst entwickelt hat, Barrique-Wein gleich aus Eichen zu gewinnen, ohne den lästigen Umweg über die Traube.
Geht der Trend zu Reben fremdländischer Herkunft auch 2013 weiter? Leider ja. Allerdings darf der Versuch, schwedische Trauben anzubauen, als vollständig misslungen betrachtet werden. Trauben heissen auf Englisch «grapes» und auf Schwedisch entsprechend «gripen» - und niemand weiss, ob sie das Kleinklima vertragen.

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