François et la France - quelle mésalliance!

Jan Peters | veröffentlicht am 30.01.2014

Eigentlich hätte Franz H. gewarnt sein müssen, wenn er einfach mal einen Blick auf seine Geburtsurkunde geworfen hätte, bevor er sich leichthin nach Franzosenart zum Präsidenten in Paris austrommeln liess.

François et la France - quelle mésalliance!
Petar Pismestrovic | (Nebelspalter)

Und was hätte ihn ein solcher Blick gelehrt? Dass man sein Glück nicht als Regierungschef in der Grande Nation versuchen sollte, wenn man vom Namen her viel mehr dazu prädestiniert wäre, Herrscher der Niederlande zu werden. Und ausserdem, Herr Präsident, dem Franzosen kann man ja eine Menge nachsagen, eines aber nicht, nämlich dass er, besonders wenn er in grösserer Zahl auftritt, einfach zu regieren sei - mais non, pas du tout! Hatten Sie das denn gar nicht gewusst?

Wir vom «Nebelspalter», zu dessen unerschöpflichen Kernkompetenzen auch das qualifizierte und leider komplett unbezahlte Consulting des europäischen Hochadels und zahlloser Regierungsoberhäupter gehört, wollen jetzt einfach mal ganz selbstlos und ungefragt analysieren, warum Monsieur le Président de la République schon seit einiger Zeit eher wie ein bedepperter Quasimodo denn wie ein stolzer gallischer Hahn an den Ufern der Seine im Schatten von Notre-Dame herumsteht und sich seinen Depressionen hingibt, statt frohen Mutes und voller Tatendrang sein Land zu regieren.

Anhand dieser Analyse werden wir dann Empfehlungen formulieren - leider wieder unentgeltlich, wie zu befürchten steht -, aus denen François de France der Unglücksrabe (frz.: «le corbeau de la malchance») sein zukünftiges Verhalten deduzieren sollte, damit er seine Regentschaft zwar nicht mit glorreicher Wiederwahl krönen könnte - das ist nun fürwahr gar nicht mehr zu erwarten -, aber wenigstens nicht sein Leben unter der von Marine Le Pen selbst bedienten Guillotine auf der Place de la Bastille, begleitet vom Gebrüll des blutrünstigen Pariser Mobs, schmählich beenden muss.

1. Empfehlung: Lieber Franz, behalten Sie diese unsägliche Trulla Le Pen aufmerksam im Auge. Das wahnsinnige Flintenweib wäre imstande, das einfältige Volk mit seinen Brandreden so weit aufzustacheln, dass es in einer Neuauflage der Bartholomäusnacht alle Sozialisten massakrieren könnte. Und auch vor englischen Touristen am und auf dem Eiffelturm nicht haltmachen würde.

Um den Franzosen erfolgreich regieren zu können, sollte man ihn möglichst umfassend kennen. Wie könnte man seinen Nationalcharakter detailliert beschreiben, eingrenzen und jenseits aller Klischees und Vorurteile darstellen? Was mag er, der Franzose? Was gefällt ihm weniger? Abgesehen von den Engländern und Deutschen. Welche Arbeitsmoral hat er? Hat er überhaupt eine Moral? Was würde er beispielsweise dazu sagen, wenn sich Zinédine Zidane lauthals als Warmduscher outen würde? Oder wenn Franck Ribéry, derzeit Söldner beim FC Bayern, seine Freizeitgestaltung änderte und Kurzweil nur noch mit ausgewachsenen Bordsteinschwalben triebe? Würde der Franzose dann nach dem 6. Pastis im Bistro entgeistert äussern: «Ribéry, t'es un vieux cochon!»?

Bereits aus dieser lückenhaften Aufzählung kann man schliessen, dass der Franzose doch etwas komplexer zu sein scheint, als dies bisher aus Schweizer Sicht zu vermuten war.

Ohne jetzt grosse Staatsgeheimnisse zu verraten, die es ja in Zeiten der fürsorglich umfassenden
NSA-Kommunikationsbetreuung durch unsere amerikanischen Freunde ohnehin nicht mehr gibt, können wir im vertrauten Kreis unserer Leserschaft durchaus einmal unter vier Augen durchblicken lassen, dass wir diese Art von Überlegungen kürzlich im Élysée-Palast vorgetragen haben. Eigentlich hatten wir geplant, diese im Rahmen einer Privataudienz dem Präsidenten persönlich zu unterbreiten. Leider kam dieses Treffen aber nicht zustande, da Herr Hollande, wie uns sein persönlicher Flügeladjutant via einen Herold der Republikanischen Garde mitteilen liess, auf dem Sozius einer Lambretta zu seinem Boulanger gebrettert sei, um sich und «noch jemanden» daselbst mit Croissants einzudecken.

2. Empfehlung: Croissants, lieber Franz, sollten Sie wenn irgend möglich nicht im Bett essen; erstens pieken die Krümel und zweitens versaut das fettige Zeug total die Bettwäsche. Und Ihre Linie und Ihren ohnehin ramponierten Ruf noch dazu. Ausserdem sollten Sie bezüglich des Verzehrs von solcherlei Backwaren jedweder Art mit «noch jemandem» warten, bis eventuell andere Lebensabschnittspartnerinnen Ihrer Entourage ihre Erholungsaufenthalte in Kliniken erfolgreich beendet haben. Sie können dann ja zu dritt Croissants essen; gegen eine zünftige Ménage à trois hat noch kein anständiger Franzose je etwas einzuwenden gehabt.

Das Ende dieses Artikels ist erreicht, aber wir wissen immer noch nicht, wer der Franzose ist und welche Art von Regierung er gern hätte. Und da auch weder François de France noch sein Volk dies wissen, hat Monsieur le Président das getan, was Staatschefs immer tun, wenn guter Rat teuer ist und ihnen partout nichts mehr einfällt: Sie ziehen in den Krieg.

Pauvre François, Ihr missratener Feldzug in Afrika wird Sie um den Platz im Panthéon bringen.

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