Silvio Berlusconi

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 05.12.2013

Er sieht im Moment verdammt alt aus, der Cavaliere! Und nebenbei bemerkt, er ist es auch. 77 Jahre alt. Nur noch ein paar Jahre älter müsste er sein, und «das lästige Ding, das immer wieder zurückkehrt, wenn man es wegwirft» wäre nach ihm benannt worden - und hiesse nicht «Bumerang», wie es für 1827 erstmals verbürgt ist. Silvios Umfragewerte jedenfalls sind schon wieder am Zurückkommen.

Silvio Berlusconi
Michael Streun | (Nebelspalter)

Er sieht im Moment verdammt alt aus, dieser Silvio Berlusconi! Und nebenbei bemerkt, er ist es auch. 77 Jahre alt. Nur noch ein paar Jahre älter müsste er sein, und «das lästige Ding, das immer wieder zurückkehrt, wenn man es wegwirft» wäre nach ihm benannt worden - und hiesse nicht «Bumerang», wie es für 1827 erstmals verbürgt ist. Silvios Umfragewerte jedenfalls sind schon wieder am Zurückkommen.

Viermal war Berlusconi Italiens Regierungschef, fast zwanzig Jahre mischte er direkt in der Politik  mit, nun hat ihn die Kleine Kammer Italiens aus ihren Reihen geworfen und seine Immunität entzogen. Der römische Senat pflegt ja seit 44 v. Chr. die schöne Tradition, gegen allzu selbstsüchtige Männer ab und zu mit dem Säbel oder Dolch zu rasseln.

Der Cavaliere mag zwar ein Polit-Dinosaurier sein, doch abgesehen vom reptiloiden Hautbild hat er weniger mit den Urechsen gemein als mit einer gewöhnlichen Hauskatze. Dies nicht nur in Bezug auf die Libido, die bei männlichen Gattungsvertretern bis ins Siechenalter andauern und unvorstellbare Reviergrössen heimsuchen kann, sondern auch in Bezug auf die Anzahl Leben, wovon gewöhnlichen Menschen nur die Quanti­tät eins zugedacht ist, während es Katzen sprichwörtlich auf deren sieben bringen.

Wie viele politische Leben der Medienzar schon durchgeleiert hat, entzieht sich leider der Kenntnis unserer sonst üblicherweise sehr gut informierten Redaktion. Allerdings mussten wir feststellen, dass es um das Grundwissen zu unserem südlichen Nachbarland ohnehin nicht mehr zum Besten steht. Seit eine Schweizer Durchschnittsfamilie die Ferienpostkarten nicht mehr in Rimini,  sondern auf  den Seychellen kauft, und seit die zwölf Dorfpizzerien in Kaffikon mehrheitlich von Albanern und Tamilen geführt werden, die sich ihr «Prego» und «Grazie» in der Klubschule antrainiert haben, seither nimmt man Italien eigentlich nur noch zur Kenntnis, wenn es als «Ellis Island» der Europäischen Union für Schlagzeilen sorgt. Immer dann also, wenn der Grenzschutz durch Nichteingreifen die Flüchtlinge im Praxistest in Nichtschwimmer und Schwimmer teilt und nur Letzteren verrät, wie sie schnellstens nach Frankreich oder ins Tessin kommen, um nicht in Italien einen Asylantrag stellen zu müssen.

Daneben ist über die Italiener vor allem noch bekannt, dass sie eher einen dezibelstarken Kommunikationsstil pflegen, weshalb sie von der Plattentektonik auch nach drei Seiten hin mit Wasser und nach Norden mit einem alpinen Lärmschutzwall umgeben worden sind. Der landestypische Schallpegel dürfte denn auch dazu geführt haben, dass nur einer ganz nach oben kommt, der eine noch grössere Klappe hat als alle andern. Benito hatte so eine Klappe, Silvio hat sie noch immer, wobei ihm in jüngster Zeit Beppe Grillo den Platz streitig macht. Ob Berlusconi nun definitiv weg vom Fenster ist? Zweifel sind angebracht. Sie kennen das sicher auch aus der eigenen Schüssel: Bei besonders grossen Häufchen reicht einmal spülen manchmal nicht aus.

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