Wo Männer noch echte Männer sind

Roland Schäfli | veröffentlicht am 30.10.2013

Die umstrittene Fernsehserie «Die Schweizer» begann mit einer Sitzung von Fernsehdirektor Roger de Weck und seinem männlichen Stab. Der männliche SRF-Chef wandte sich mit einer brandneuen, testosteron-durchtränkten Idee an seine ausnahmslos männlichen Gefolgsmänner.

Wo Männer noch echte Männer sind
SRF (SF)

Roger de Weck: Ich hatte gestern Nacht einen Traum?... er war in HD und natürlich 16:9. Wir müssen dem Publikum was ganz Neues bieten?... etwas, was die Schweiz in die Zukunft führt. Eine Serie über die alten Schweizer!

Jean Ziegler, Emil und Dimitri?

Nicht doch. Ich denke an herausragende Persönlichkeiten der Schweizer Geschichte. Also so Feldherren. Stauffacher, Niklaus von Flüe.

Auch Frauen?

Ich sagte FeldHERREN. Na, was halten Sie davon?

Meinen Sie mich?

Nein, Sie! Ich schaue Sie an!

Wen, mich?

Nein, Sie da - ach egal.

Und auch Henri Dufour?

Ja, der ist spitze! Damit beschwören wir die gute alte Zeit, nach der sich alle zurücksehnen - als Männer noch Männer waren!

Sagen das unsere Umfragen?

Ja, bei meiner Umfrage auf der Toilette der Chefetage sagen mir das Männer regelmässig.

Glauben Sie nicht, das könnte uns Kritik eintragen?

Von wem denn? Das wird den Männern doch gefallen!

Ich meine, von den Frauen. Weil sie nicht vorkommen.

Klar kommen die vor! Irgendjemand muss den Helden vor der Schlacht ja die Kartoffelsuppe gekocht haben. Oder glauben Sie, Winkelried sei im Mama-Taxi nach Sempach gefahren worden? Die Frauen haben in der Schweizer Geschichte eine wichtige Nebenrolle gespielt, und das soll historisch korrekt wiedergegeben werden.

Können wir nicht wenigstens Johanna Spyri als Hauptfigur in die Serie mit aufnehmen?

Hmmm - vielleicht, wenn wir diese Folge «Die Abenteuer von Geissenpeter» nennen würden. Die Schweizer Geschichte ist nun mal total männerdominiert. Ausserdem darf man die Geschichte nicht abändern, weil sonst die Zukunft implodiert oder so. Sie haben wohl noch nie einen Film mit Zeitreisen gesehen?

Wer, ich?

Nein, Sie da, ich schaue SIE an - ach, vergessen Sies. Die Schweizer Helden sind vollkommen von ihren Müttern abgenabelt. Ich glaube sogar, diese Mannsbilder wurden nicht auf natürliche Weise von Frauen in die Welt gesetzt.

Vielleicht wars eine Unterwassergeburt?

Ach was. Ich glaube, die Schweizer Helden sind adoptiert. Tell soll ja ursprünglich Schwede oder so gewesen sein.

Andere Sender machen doch auch Serien über Frauen. Bei den Deutschen gabs eben «Hitlers Frauen».

Klar, hinter jedem berühmten Mann stand eine unbekannte Frau. Aber es kann ja nicht die Aufgabe des Staatsfernsehens sein, diese Frau in den Vordergrund zu rücken, so dass sie am Ende noch den berühmten Mann verdeckt. Nein, nein, am Ende verlangen die noch, wir müssten die Rolle der Frau in der katholischen Kirche aufarbeiten: die unbekannten Haushälterinnen, die hinter den Kardinälen standen, aber unter ihnen arbeiteten.

Entschuldigung, Chef, vor dem Eingang steht eine Menge Frauen! Die belagern unseren Elfenbeinturm! Die protestieren gegen die Serie, bevor sie gelaufen ist! Das muss dieser neue Service sein, wo Sendungen zeitversetzt geguckt werden können!

Was verlangen sie denn? Mehr Kochsendungen?

Dies ist die Liste ihrer Forderungen: Frauen sollen die Männer an den Bildschirmen ersetzen! Nur Sven Epiney darf bleiben! Sogar Sportsendungen sollen von Frauen moderiert werden!

Das ist ja Anarchie! Welche Sportarten wollen die denn kommentieren? Voltigieren?!

Man wirft Ihnen vor, Sie hätten einen verstellten Blick auf die Geschichte, Chef!

Ach quatsch, ich blicke der Gefahr ins Auge! Sie da, rufen Sie um Hilfe!

Wer, ich?

Ach was, ich mach es besser selbst! Warum habe ich keine Frau in meinem Stab!? Die könnten mit ihrer hohen Stimme wunderbar um Hilfe rufen!

Chef, die rammen das Haupttor! Uns droht der totale Shutdown! Die gebärden sich total unweiblich! Die schreien, wir seien altmodisch!

Lasst die Zugbrücke hochziehen! Giesst heisses Pech hinunter! Stürzt das neue SRF-Logo vom Dach auf sie! Und wenn das noch nicht reicht, erhöht die Billag-Gebühren! Mit der Hellebarde in der Hand lasst uns untergehn, Männer! 

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