Mutter Germania und ihre unartigen Kinder

Jan Peters | veröffentlicht am 02.10.2013

Gott sei Dank - die Wahl in Deutschland ist vorbei, und wir könnten uns wieder den wichtigen Dingen des Lebens zuwenden.

Mutter Germania und ihre unartigen Kinder
Tomz (Tom Künzli) | (Nebelspalter)

Können wir aber nicht, denn jetzt geht der Zirkus erst richtig los! Überträgt man politische Wahlen, aus denen ja eigentlich innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes irgendeine Art von gedeihlicher Verbindung, sprich eine handlungsfähige Regierung, hervorgehen soll, ins «richtige » Leben, dann wird gemeinhin erwartet, dass im Anschluss an die Brautschau die Hochzeit erfolgt. All dies ist aber im Deutschland des Jahres 2013 nicht so.

Sondern wie? Na ebenso, wie Deutschland immer schon war - nämlich sehr schwierig. In Deutschland geht es im Grunde nie darum, in pragmatischer Weise, wie es z. B. die Schweiz sehr gut beherrscht, Probleme zu lösen; nein, weit gefehlt, diese Vorgehensweise erfreut sich in Deutschland keinerlei Beliebtheit. Unser nördlicher Nachbar, der Koryphäen des Geisteslebens wie Immanuel Kant, Heinrich Lübke, Franz Beckenbauer und Dieter Bohlen hervorgebracht hat, empfindet Pragmatisches als in der Regel zu kurz gegriffen und mit zu wenig Tiefgang versehen; in Deutschland gehts immer und ewig und erbarmungslos um dasselbe - es geht ums PRINZIP!

Deutschland ist das PRINZIP als solches. Manchmal, in dialektischer Weise, - Karl Marx, eine Kanone im dialektischen Denken, war übrigens Deutscher, nur mal zur Erinnerung; auch wenn die CDU das vehement abstreitet und Marx als einen französischen Asylanten ansieht, der voll subversiver Tücke die Alternative für Deutschland gegründet hat - wird aber selbst in Deutschland «das PRINZIP» als die der deutschen Schicksalsgemeinschaft Sinn und Lebensinhalt verleihende Grundeinheit infrage gestellt.

Wenn nämlich der Deutsche auf eine z. B. Schweizer Frage antwortet: «Im PRINZIP haben Sie recht, aber ?», kann er damit prinzipiell meinen: 1.: «Sie haben das PRINZIP nicht verstanden, weil Sie Schweizer sind. Insofern sollten Sie sich lieber mit Emmentaler statt mit deutschem PRINZIP beschäftigen.» Oder 2.: «Ich möchte jetzt ausnahmsweise nicht von PRINZIPIEN sprechen.» Oder 3.: «Vorher genanntes PRINZIP Nr. 1 ist hier nicht anwendbar, sprechen wir von PRINZIP Nr. 2.»

Back to real life. Wir hatten gesagt, dass auf die Brautschau die Hochzeit folgt - nach der Wahl kommt die Regierungsbildung. Schon im Ansatz verrissen: Frau Merkel hat ausgesucht. Also wars keine Braut-, sondern eine Bräutigamschau. Wohlwollend voraussetzend, Ostzonen-Angie strebt keine verlotterte Lesben-WG, sondern manierliche Beziehungen an.

Nun haben sich aber leider fast alle auf dem Markt verfügbaren CDU-Partner als Vollpfosten und Rohrkrepierer geoutet. Beginnend mit den Pfeifen von der FDP. Welcher liberale Blindgänger ist eigentlich auf die Wahnidee verfallen, das unterirdische Komikerduo Rösler/Brüderle wäre unterhalb des Promillespiegels eines Pfälzer Weinfests länger als eine Woche überlebensfähig?

Ganz abgesehen davon, dass doch wohl nicht ernsthaft zu erwarten war, dass eine Partei, deren einziger Programmpunkt darin besteht, für ihre Carrera fahrenden Mitglieder Steuerfreiheit zu erzielen, langfristig erfolgreich sein kann.

Und die Ökos hats am 22. 09. auch in Haupt- und Einzelteile zerlegt. Hätten im Wahlkampf halt besser von Energie statt von Gemüsetagen geschwätzt.

Derweil steht sich «Die Linke» am Rande des Berliner Regierungsviertels, «Vor der Kaserne, vor dem grossen Tor», die Füsse platt und bietet sich den sie - noch - verschmähenden Sozis an wie einst Lili Marleen.

Kommen wir nun zu einer genialen Lösung der Koalitionsfrage, wie sie nur ein mit allen Wassern gewaschenes Magazin wie der «Nebelspalter» entwickeln kann:

Sigmar Gabriel lässt sich von Frau Merkel zunächst mehrfach ins «Adlon» zu ausgiebigen Abendessen einladen. Man diskutiert angeregt, welche Getränke zu welchen Speisen passen.

Im Laufe der Verabschiedung nach dem 17. Galadinner erwähnt Frau Merkel beiläufig, dass Deutschland eine Regierung brauche. Gabriel überhört dies zunächst geflissentlich, erklärt sich aber später bereit, darüber nachdenken zu wollen.

Nach weiteren ausgiebigen Arbeitsessen in unterschiedlicher Zusammensetzung kommen CDU/CSU und SPD überein, eine gemeinsame Regierung zu bilden. Gabriel wird Vizekanzler. Nach sechs Monaten entmachtet er Merkel und lässt sich zum Bundeskanzler austrommeln. Wie das? Ganz einfach: Sahra Wagenknecht verstösst Oskar Lafontaine wegen seiner ewigen Rechthabereien und Winkelzüge, zieht mit Sigmar Gabriel zusammen und verrät ihm leichthin, dass Genossin Merkel nicht nur die Mätresse von Erich Mielke war, sondern auch ihre Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg hat fälschen lassen. Auf Sigmars Einwand hin, Merkel sei doch Physikerin und Guttenberg nicht, sodass der fesche Freiherr gar nichts von dem geschnallt haben könnte, was Merkel eigentlich von ihm gewollt hätte, erwidert Sahra, verführerisch wie ein marxistisches Kätzchen schnurrend: «Sigmar, davon verstehst du nix, das ist Politik!» 

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