Week END - der satirische Wochenrückblick

Roland Schäfli | veröffentlicht am 22.07.2013

Die wichtigsten Ereignisse der letzten Tage - nochmals für Sie zusammengefasst.

Week END - der satirische Wochenrückblick
  (Nebelspalter)

MONTAG
Die Schweiz hat ein neues Mineralwasser. Gewonnen aus dem Bielersee, mit natürlichen Cäsium-Zusätzen des AKWs Mühleberg. Das Getränk wird nicht in der PET erhältlich sein, vielmehr in einem kultigen Bleimantel, und das Zischen beim Öffnen der Flasche, soviel können die Hersteller verraten, sei nicht auf Kohlensäure zurückzuführen. Werbeagenturen pitchen bereits eifrig Slogans: «Ein Strahlen bei jedem Schluck» und «Mehr als einfaches Wasser - schweres Wasser!»

Als Ex-Beamter legt Emil penibel Wert auf die Feststellung: Er sei im Fall nie nur Briefträger gewesen! Damit brüskiert Emil all jene Pöstler, die diesen Beruf überhaupt erst wegen seiner treffenden Darstellung eines doofen Pöstlers ergriffen. So schafft es Emil nie aufs Cover von «Rolling Stone».

DIENSTAG
Datenautobahn und Nationalstrasse sind künftig eins: Das Bundesamt für Strassen will in enger Zusammenarbeit mit der NSA die Positionsdaten unserer Handys abrufen. Wenn die Beamten eine Häufung von «Brems! Da vorne staut's!» mithören, setzen sie eine Stauwarnung ab. Die freilich nichts mehr nützt, wenn man ja schon im Stau steht. Neu ist der Bürger verpflichtet, das Handy beim Pannendreieck mitzuführen. Es sollen allerdings schon Handys explodiert sein, denen man gegen ihren Willen die Floating Car Data abgesaugt hat.

Jetzt ist es offiziell: nach Gérard Depardieu und Edward Snowden hat Putin jetzt auch Peter Sauber in seinem Rennstall. Die Drei von der Tankstelle sollen die geheime Formel kennen, wie man verzwickte Fälle in einen Business Case umwandeln kann.

MITTWOCH
Die Jugendgesetz-Revision will jugendlichen Straftätern per Fussfessel Hausarrest verpassen. Mütter von Jung-Kriminellen stehen dem Gesetzesvorschlag eher ablehnend gegenüber, sind sie doch bereits selbst an den Herd gefesselt. Der Zürcher Polizeivorsteher Wolff hingegen könnte durch das Ortungssystem endlich feststellen, welche Häuser seine Söhne gerade besetzen. Dass man durch die Fessel unter ständiger Beobachtung steht, kann die Jugendlichen selbst nicht schrecken: es erspart ihnen, dauernd auf Facebook ihren Status zu posten.

Nachdem das Filmfestival von Locarno sein Programm bekannt gegeben hat, stellt Emil umgehend richtig, dass er in den Briefträger-Filmen «The Postman», «Wenn der Postmann zweimal klingelt» und «Il Postino» im Fall NICHT mitspiele.

DONNERSTAG
Erster Kommunikationserfolg für Economiesuisse! Der 3000-Franken-Stundenlohn von Daniel Vasella wird nicht ausgerechnet vor einer wichtigen Abzocker-Abstimmung bekannt gegeben. Zudem gelingt dem Wirtschaftsverband, Vasella als sympathisch darzustellen, weil er mit einer Tagesgage von 25000 Franken lediglich den 2. Platz der dreistesten Lohnbezüger aller Zeiten belegt, nämlich noch hinter Marlon Brandos «Superman»-Taggeld. Wie jedoch aus Vasellas Umfeld zu erfahren ist, wird er nicht ruhen, bis er Brando als Super-Verdiener 1:12 überlegen ist. Er sei schliesslich kein Briefträger.

Zweiter Akt der Kopftuch-Debatte: In Steinen SZ wird Schülerinnen das Tragen von Hotpants verboten, obschon sie religiöse Gründe geltend machen. Die Schulleitung untersagt die kurzen Höschen, um «die Lehrer vor den Hotpants zu schützen». In Schwyz fürchtet man sich offenbar, dass Hotpants wie Handys explodieren könnten.

FREITAG
Immer mehr Schweizer Männer bestehen auf einem Vaterschaftstest. So auch Christoph Mörgeli: Er will per DNA feststellen lassen, ob er tatsächlich die Mutter aller Beschwerden ist. Mit der «Rundschau» hat er sich nun auf ein Moratorium geeinigt: Mörgeli wird vorderhand keine neuen Kontroversen lostreten, und die «Rundschau» wird nicht darüber berichten.

Die Untersuchung gegen Finma-Verwaltungsrat Bruno Frick wird eingestellt. Der Bundesrat bekräftigt nochmals, vor Fricks Wahl nichts von dessen früheren Tätigkeiten gewusst zu haben; man habe angenommen, er sei Briefträger gewesen. Ueli Maurer findet sowieso, man könne jetzt einen Schlusstrich unter diese schreckliche Woche ziehen.

Weitere Artikel

loader