Helden im Zeitenwandel

Friedrich Plewka | veröffentlicht am 06.06.2013

Du bist mir ein schöner Held! Umgangssprachlich bedeutet dieser Ausruf so gut wie gar nichts. So redet man mit Kindern eher liebevoll, wenn sie irgendeinen Blödsinn gemacht haben.

Helden im Zeitenwandel
Bettina Bexte | (Nebelspalter)

Doch das Wort Held, ursprünglich historisch und im literarischen Bereich zur Verherrlichung, ja zur Vergötterung von Personen angesiedelt, ist out. Helde mögen die Fantasie gewisser Leute noch anregen, doch im digitalen Welt- und Menschenbild sind diese sprachlichen Elaborate nicht mehr gefragt. Sie sind angesichts zahlreicher «Helden»-Friedhöfe in aller Welt nur noch Symbole einer politischen Volksverdummung oder überzogener staatlicher Machtbefugnisse.

In Bereichen von Sport und Show wird das Wort Held, mit der Steigerung Superheld, geradezu inflationär auf werbewirksame Zeitgenossen und -genossinnen verteilt. Niemand wird dabei ein Held für die Geschichte. Wie Eintagsfliegen werden heute Fussballer, denen es gelingt, in einem Entscheidungsspiel das wichtige Siegestor zu schiessen, als Helden des Tages gefeiert. Als Relikte der jüngeren Vergangenheit laufen immer noch ein paar Helden der Sowjetunion, mit Orden geschmückt, durch den heutigen russischen Alltag, so als hätte sich nichts verändert. Enkelkinder der «Helden der Arbeit» dürften heute nicht mal mehr auf dem Trödel Urkunden oder Ehrenzeichen ihrer heldenhaften Vorfahren entdecken.

Das amtliche Schreiben im Dritten Reich, mit dem Hinweis, dass ein Sohn oder Vater den «Heldentod für Führer, Volk und Vaterland» in diesem oder jenem Frontabschnitt erlitten habe, bedeutete eher die Form einer zynischen Heldenverehrung. So wurde das Wort Heldentum nach und nach missbraucht und abgewertet. Freiheitshelden und Potentaten der Geschichte durften noch mit stattlichen Monumenten rechnen. Einige sorgten noch zu Lebenszeiten selbst für eine ihrer Eitelkeit entsprechenden Monumentalität, auf dass sie bis in alle Ewigkeit unvergessen blieben. Wilhelm Tell war nicht von dieser Sorte. Er war ja nur eine Fiktion, ein Symbol. Bedeutende Dichter und Komponisten der Geschichte haben ihre Monumente bekommen. Gotthelf war kein Held, eher ein Glücksfall der Berner Geschichte. Als aktuelle Beigabe dienen bei Mozart süsse goldene Kugeln, die in Salzburg das Geschäft beleben, und natürlich ein Denkmal.

Wem wollte man heute noch ein Denkmal (denk mal) stiften? Arnold Schwarzenegger oder Heidi Klum vielleicht? Uli Hoeness hat sich trotz seiner sozialen Ader diese Chance selbst versaut. Adolf Ogi hätte vielleicht nichts dagegen. Auch der Ex-Novartis-Vasella käme infrage. Zumindest könnte doch in Basel eine Sackgasse nach ihm benannt werden. Alt-Bürgermeister Wettstein schaffte es immerhin zu einer Brücke über den Rhein. Nein, unter demokratischen Verhältnissen können sich die Leute kaum noch als spätere Helden-Denkmäler profilieren. Und Banker eignen sich schon gar nicht als Helden. Geschweige denn als echte Superhelden, die gibt es ohnehin nur noch in Comics, in Computerspielen und albernen Fantasie-Filmen.

Das Wort Superheld ist an sich eine Übersteigerung, eher noch ein Pleonasmus. Die wahren Helden unserer Tage sind Menschen wie zum Beispiel Frau U. Meyer, die von ihrem kroatischen Lebensgefährten im Stich gelassen wurde und die nun sehen muss, wie sie mit drei Kindern über die Runden kommt. Oder Bauer Zgraggen, dem eine Ryfe das Heimetli sage und schreibe unter den Füssen weggerissen hat. Bleibt noch Roger Federer als Superheld unserer Tage. Wenn man einmal seine Werbe- und sonstigen Einnahmen vergisst, lässt sich mit ihm immer noch etwas in dieser Hinsicht machen.

Ein Geheimtipp wäre auch Papst Franziskus, wenn er es denn schaffte, das zu tun, was seine Vorgänger nicht einmal ansatzweise zu versuchen sich getrauten. «Einer gegen die Mafia» war schon immer ein sehr mutiges, heldenhaftes Unterfangen. Das klappt aber nur im Kino.

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