Weinland Portugal

Thomas C. Breuer | veröffentlicht am 01.06.2013

Die Portugiesen haben die Schnauze voll vom Sparen. Die fiese Krise hat das Land im Griff, gerade im mittleren Preissegment wird weniger getrunken, und mittelständische Winzer gehen reihenweise Konkurs.

Weinland Portugal
(Nebelspalter)

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie auf 23 Prozent hat viele Trinker ernüchtert. Auch die Korkeichenplantagen - die «montados» - gehen den Bach hinunter.
Der Portugiese hadert mit dem Zusammenbruch des Absatzmarktes für Kork. Er ist ohnehin traditionell traurig, schon so lange, dass er vergessen hat, warum. Vielleicht wegen der Armut, Portugal ist immer noch das ärmste Land in der EU, so arm, dass man 1988 die Postleitzahlen entwerten musste, weil einfach nichts mehr drin war in der Portokasse. Der Fischfang stagniert, die Flotte ist nicht mehr flott, sondern hoffnungslos veraltet. Die Azorentiefs nehmen auf portugiesischem Boden ihren Ursprung. Die Erosion an der Küste frisst allmählich das Land auf. Selbst die bedeutendste Brücke des Landes ist eine Hängebrücke. Zudem sind Portugiesen entkräftet durch die anstrengenden Zisch- und Nasallaute ihrer Sprache mit all den nasalieten Endungen wie an, ão, em, en, im, in, om, on;  zu viel Luft gelangt ins Gehirn, dazu die beschwerlichen Zischlaute, grässlich. Das Leben: ein Drama. Sowieso verklebt der Portwein nach und nach das Blut, es fliesst langsamer, und der allgegenwärtige Katholizismus macht das Leben auch nicht gerade leichter. Der beliebteste Musikstil heisst Fado, was nicht eben aufbauend klingt.
In Portugal gedeihen über 500 autochthone Rebsorten. Die «Colares» hat man nördlich von Sinatra absichtlich in den Sand gesetzt, weil dort die Reblaus nicht überleben kann. Andere wie die Touriga Francesca oder Tinta Roriz dürften in der Zukunft eine grössere Rolle spielen, wenn in Zeiten der Klimaverschiebung hitzebeständige Arten gefragt sind.
Heitern wir sie also ein wenig auf und kaufen wir ihre Weine, z. B. den Blauen Portugieser oder den Vinho Verde aus dem regenreichen Norden, wo schnelle Tropfen reifen, die zum sofortigen Konsum verdammt sind, wenn sie sozusagen noch grün hinter den Ohren sind - daher der Name. Trinken wir ihre Bestände weg - das ist gut für den eigenen
Pegel, und obendrein tun wir ein gutes Werk.

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