Sie haben uns so viel zu geben

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 06.07.2012

Haben Sie auch ein Haustier? Dann liegen Sie genau im statistischen Mittel. 7,5 Mio. tierische Mitbewohner zählt die Schweiz, fast auf jeden Eidgenossen entfällt also ein Rex, eine Miezmiez oder sonst eine krächzende, piepsende oder blubbernde Kreatur.

Sie haben uns so viel zu geben
André Poloczek | (Nebelspalter)

Runtergerechnet auf unsere Leserschaft kann ich es hier also mit rund 16?000 Hündelern, 32?000 Katzenmamis und rund 735 Vogelspinnen-Besitzern verderben. Wobei die letzte Kategorie doch eher wegfällt ? kaum vorstellbar, dass Vogelspinnen-Besitzer Freude am Leben und einen Sinn für Humor haben, was doch eine Grundbedingung für ein ?Nebelspalter?-Abo darstellt.

Das gegenwärtig bekannteste Haustier der Nation ist übrigens Theo, der Hund von Francine Jordi, der ihr nach dem Bruch mit Flöru Ast nach eigener Darstellung «so viel Liebe» gibt. Wenn Sie bei so einer Aussage nicht auch schmunzeln müssen, sind Sie vermutlich Vogelspinnen-Besitzer und denken noch immer darüber nach, ob Sie Freude am Leben Schrägstrich Humor haben. Jedenfalls ist doch mehr als fraglich, ob das Verhalten von Tieren, die in einer existenziellen Abhängigkeit zu uns stehen, als Liebe gedeutet werden kann. Mit Ausnahme genau Ihres Lieblings, natürlich! Überhaupt: Liebe geht ja auch bei mancher Menschenbeziehung durch den Magen: die eine Hälfte kocht, was die andere Hälfte finanziert.

Neue Studien lassen ohnehin eher vermuten, dass nicht wir die Haustiere, sondern sie uns halten. Der Grund, weshalb der Homo sapiens den Neandertaler verdrängt hat, ist nach einer neuen Theorie der, dass sich die Ur-Hunde bei der Jagd halt mit uns zusammengetan hätten ? ein Überlebensvorteil. Mag ja sein. Was mit Blick auf manchen Protagonisten der Gegenwart mehr irritiert: Wie bitteschön kommen die Forscher darauf, dass die Neandertaler ausgestorben sind?

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