Frisch paniert

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 03.05.2012

Liebe Leserin, lieber Leser,

bestimmt haben Sie auch davon gelesen: Unsere Schweiz ist in einem internationalen ­Vergleich unter 23 Tourismus­d ...

Frisch paniert
Petra Kaster | (Nebelspalter)

Liebe Leserin, lieber Leser,

bestimmt haben Sie auch davon gelesen: Unsere Schweiz ist in einem internationalen ­Vergleich unter 23 Tourismus­destinationen in Bezug auf die Freundlichkeit auf dem letzten Platz gelandet. Natürlich können Sie jetzt argumentieren, was das denn bitteschön mit uns Schweizern zu tun hat, wenn ausländische Gäste in Zürich oder in Zermatt von ausländischem Personal unhöflich bedient wird.

Aber diese Haltung ist egoistisch, denn es gibt eine wachsende Zahl von Schweizern, die sich gezwungen sieht, im eigenen Land Urlaub zu machen. Zum Beispiel: Bankangestellte, denen Auslandsreisen aus Angst vor möglichen Verhaftungen untersagt worden sind. So oder so: Dem Schweizer Tourismus steht ein schwieriger Sommer bevor. Und solange die Franken-Untergrenze so tief bleibt wie im Moment, kann sich Wetterschmöcker Martin Horat für «Schweiz Tourismus» im Ameisenhaufen wälzen, bis er paniert ist.

Doch selbst jenseits von starkem Franken und schwachem Service stellt sich die Frage, ob es die heile Postkartenschweiz überhaupt noch gibt. Was haben wir mit unseren Alpen angestellt? Was ist aus der Bergwelt, der mythologischen Heimat unserer gemeinsamen Volksseele, geworden? Für japanische Touristen soll es bereits speziell starke Teleobjektive geben, die es erlauben, irgendwo einen Bildausschnitt ohne Zweitwohnungshang, Lawinenverbauung, Staumauer oder Schnellstrassen-Galerie heranzuzoomen. Bis nach der Energiewende, wenn vor lauter Windturbinen kein Alpenkamm mehr zu sehen sein wird, dürfte in der Kamera des iPad 21HD+ dann auch ein entsprechender Software-Filter eingebaut sein. Der Berg ruft: In der Mai-Ausgabe auf 12 Sonderseiten.

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