Wahlweise mit Komma

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 04.04.2012

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist bestimmt nicht alltäglich, dass ein ganz gewöhnlicher Aargauer Nationalrat das Cover unserer Zeitsch ...

Wahlweise mit Komma
Swen (Silvan Wegmann) | (Nebelspalter)

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist bestimmt nicht alltäglich, dass ein ganz gewöhnlicher Aargauer Nationalrat das Cover unserer Zeitschrift ziert. Dieser Nationalrat ist Mitglied der Partei «FDP. Die Liberalen», und Satire sollte sich ja im Prinzip nicht gegen die Schwächsten innerhalb unserer Gesellschaft richten.

Doch Nationalrat Philipp Müller ist nicht nur FDP-Mitglied, sondern der einzige verbleibende Kandidat für das vakante Parteipräsidium. Auf ihm ruhen alle Hoffnungen. Die einst einzig wahre staatstragende Partei der Schweiz, die in den vergangenen Jahren mehr und mehr Schlagseite bekommen hat, sucht also einen neuen Kapitän auf ihrer Kommandobrücke. Dabei ist natürlich reiner Zufall, dass sich genau im selben Monat der legendäre Untergang der «Titanic» zum hundertsten Mal jährt.

Philipp Müller, FDP-Präsident in spe, galt bislang innerhalb der eigenen Reihen als eher exotischer Vogel und ist ausserhalb der Kantonsgrenzen vor allem als «18-Prozent-Müller» bekannt, zurückgehend auf sein nicht unumstrittenes Engagement für eine Volksinitiative anno 1995, die den Ausländeranteil in der Schweiz auf maximal 18 Prozent festschreiben wollte.

Während man heute in einzelnen Regionen und Wirtschaftszweigen (Gastronomie, Gesundheitswesen) bestenfalls noch eine «Mindestens 18 Prozent Schweizer»-Quote anpeilen könnte, würde sich der FDP die Zahl als strategisches Fernziel in eigener Sache anbieten: 18 Prozent Wähleranteil bis zum Jahr 2015 wären eine durchaus mutige Vision, zumal die deutsche Schwesterpartei derzeit mit diesem Wähleranteil schon zufrieden ist, wenn zwischen der Eins und der Acht noch ein Komma ruht. Na dann: Schiff ahoi!

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