Reif für die Insel

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 13.07.2011

Das Urlaubsziel «Insel» übt seit Menschengedenken eine magische Faszination auf uns aus.

Reif für die Insel
Swen (Silvan Wegmann) | (Nebelspalter)

Während der Antike wurde beispielsweise das sagenhafte Atlantis von so vielen griechischen Chronisten bewundernd heimgesucht, dass die Scholle am Ende vermutlich unter der Zusatzlast absoff. Aus Vorsicht hat man deshalb lange Zeit den Zutritt zu Eiländern stark kontingentiert: Napoleon durfte sich nur allein, aufgrund seiner geringen Körpermasse dafür umso länger auf Elba erholen.

Die innere Insel-Sehnsucht ist kein Zufall, sie hat tiefe evolutionsbiologische Ursachen. Ohne Inseln wären sämtliche Lebewesen dieses Planeten noch immer hirnlose Einzeller, die pausenlos CO2 vor sich hin produzieren würden - womit wir uns natürlich die Kyoto-Ziele definitiv ans Bein streichen müssten. Nur die Isolation einer Gruppe von Organismen von der Restpopulation über einen gewissen Zeitraum hinweg führt dazu, dass sich die beiden Populationen solange in unterschiedliche Richtungen weiterentwickeln können, dass sie am Ende, wenn sie wieder zusammentreffen, zu zwei unterschiedlichen Spezies geworden sind, die sich nicht mehr vermischen können. Ohne Inseln also keine Artenvielfalt!

Es erstaunt deshalb nicht, dass es selten gut kommt, wenn sich zum Beispiel französische Präsidentschaftsanwärter oder österreichische Exportschauspieler auf der grossen Insel jenseits des Atlantiks hemmungslos zu vermischen versuchen. Experten warnen übrigens davor, dass der erwähnten Grossinsel - wir reden von Amerika - aufgrund des tiefen Dollars und der ins Unermessliche gesteigerten Attraktivität für Touristen das gleiche Schicksal droht wie dem eingangs erwähnten abgesoffenen Atlantis. Es könnte dann aber auch an der tonnenschweren Schuldenlast gelegen haben.

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