Dominique Strauss-Kahn

Jan Peters | veröffentlicht am 02.05.2011

Es gibt einige Städte, die besucht man aus bestens bekannten Gründen: Venedig wegen des Dogenpalasts, der Kanäle und der Gondeln; Amsterdam wegen der Tulpen - und um ungestraft herzhaftes Kraut zu rauchen; Rio wegen des Karnevals; Hamburg wegen der Reeperbahn.

Dominique Strauss-Kahn
Michael Streun | (Nebelspalter)

Und New York City? Warum, zum Teufel, sollte sich einer freiwillig in den Asphalt-dschungel Manhattans vorwagen? Gondeln gibts da keine, Tulpen auch nicht, Rauchen ist überall bei Todesstrafe verboten. Und was ist mit Sex in the Big Apple? Sehen wir uns doch einmal an, was den ehemaligen IWF-Präsidenten nach Neu-York trieb und was er dort alles an sicher Unvergesslichem erlebte.

Wenn Sie jetzt gehofft haben sollten, Sie lesen an dieser Stelle Verschwörungstheorie Nr. 326, dann müssen wir Sie gleich herb enttäuschen: Bei uns lesen Sie die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

"Angeklagter, heissen Sie Dominique Strauss-Kahn?" - "Zu Befehl, Euer Ehren!" "Ich klage Sie im Namen der Vereinigten Staaten von Nordamerika eines besonders schweren Falles von Vergewaltigung an. Was sagen Sie dazu?" - "Besonders schwer fand ich das eigentlich nicht, seit ich Viagra nehme ..." - "Wollen Sie sich über das hohe Gericht der Vereinigten Staaten lustig machen?" - "Ja. Oder besser: Nein! Was heisst hier eigentlich ‹Vergewaltigung›? Diese moslemische Getto-Schlampe war doch froh, dass sie endlich mal einer anständig drangenommen hat! Ich merke das sofort. Erfahrung macht da schon ‹ne Menge aus." - "Angeklagter: Die Getto-Schlampe nehmen Sie jetzt sofort zurück! Den Vereinigten Nordstaaten von Nordamerika war es immer schon ein Anliegen, besonders seine farbigen Mitbürgerinnen und Mitbürger moslemischen Glaubens zu schützen." - "Am besten natürlich in Guantánamo ..." - "ABFÜHREN!"

Zweiter Tag nach der Festnahme. DSK, von dem ganzen Verfahren sichtlich mitgenommen, wird in rasselnden Ketten vor das Tribunal gezerrt. "Gefangener, heissen Sie immer noch Dominique Strauss-Kahn?" - "Zu dienen, Euer Gnaden!" - "Sie behaupten, das unschuldige, wehrlose US-Opfer Ihrer widerlich perversen Franzosen-Art wäre damit einverstanden gewesen, dass Sie mit ihr diese Ferkeleien veranstaltet haben. Woran stellten Sie das fest? Haben Sie die von Ihnen infam geplante, sittenlose Vorgehensweise mit ihr Schritt für Schritt abgesprochen und ihre schriftliche, notariell beglaubigte Zustimmung dazu vorab eingeholt?" - "Wie sich Amerikaner fortpflanzen, weiss ich nicht, will ich eigentlich gar nicht wissen und probiere ich auch nie wieder aus. Wir in Europa jedenfalls merken, wenns losgeht, ohne dass wir vorher verhandeln und zwanzigseitige Compliance Statements plus Dis-claimers unterzeichnen müssten. Bei uns sitzt auch kein Winkeladvokat wie Sie am Bett, der die Angemessenheit des Sexualverhaltens und dessen politische Korrektheit in vivo überprüft." - "Wollen Sie damit andeuten, dass das Rechtsunwesen der Vereinigten Staaten ...?" "JA-HA!" - "ABFÜHREN!"

Dritter Tag. "Galeerensträfling …" - "Darf ich eine Frage stellen?" - "Nur eine einzige." - "Wie erklären sich Euer Durchlaucht die Diskrepanz zwischen der Tatsache, dass Amerika einerseits eine bestens florierende und hochprofitable Pornoindustrie sein Eigen nennt und andererseits menschliche Sexualkontakte am liebsten in berührungslose Windbestäubung umfunktionieren würde?" - "ABFÜHREN!"

Später dann, als DSK nicht mehr rund um die Uhr bespitzelt wurde, erfolgte - und wenigstens dieser Vorfall trug zu einer kurzen Gemütsaufhellung des DSK in dem ganzen Schlamassel bei - ein überraschender Anruf: "Chéri, c’est moi, ta biche. Monsieur le Président de la République ist soeben zu Pferde nach Versailles. Er lässt sich im Spiegelsaal das Hermelin-Ornat anmessen, das er bei seiner Krönung in Reims tragen will. Eigentlich wollte er eines von Louis XIV nehmen, aber die sind ihm alle viel zu gross. Das ist doch jetzt die beste Gelegenheit, dir die frohe Botschaft zu übermitteln: Dominique, tu deviens papa!" - "Merci, Carla, merci. Salutations à Nicolas." Und nach dem Auflegen voller Tücke: "Sarkozy, casse-toi, pauvre con!"

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