Andy Rihs

Jan Peters | veröffentlicht am 01.03.2011

Übler Hörsturz beim einst renommierten Hörgerätehersteller Sonova: Das Führungstrio der ehemaligen Phonak tritt wegen verdächtiger Aktienverkäufe kurz vor einer Gewinnwarnung zurück.

Andy Rihs
Michael Streun | (Nebelspalter)

Verwaltungsratspräsident Andy Rihs, Konzernchef Valentin Chapero und Finanzknecht Oliver Walker räumen ihre Posten, nachdem Börsenregeln und interne Vorschriften verletzt worden seien. Kurz danach kauft Andy Rihs sein Aktienpaket wieder zurück ? als Wiedergutmachung, wohlgemerkt. Nicht als Schuldanerkenntnis; denn wie alle qualifizierten Manager habe er keinerlei Ahnung vom momentanen Geschäftsverlauf seiner Firma gehabt. Wie denn auch? Meistens ist er auf einem seiner flotten BMC-Bergfahrräder unterwegs und hat dabei verständlicherweise weder Musse noch Lust, Börsenberichte und Cashflow Statements zu lesen. Ausserdem wäre ein solches Aktenstudium während seiner täglichen sausenden Velofahrten der Verkehrssicherheit höchst abträglich und gäbe garantiert Ärger mit den Bullen, die ja weiter nichts zu tun haben, als zwei- bis vierrädrigen sportlichen Verkehrsteilnehmern im Gebüsch aufzulauern, um diesen Leistungsträgern mit exorbitanten Bussen den Schneid abzukaufen. Letztbenutzte Formulierung übrigens eine bevorzugte eines gewissen Guido Westerwelle, der mal in Deutschland im Lobbying für Rechtsanwälte und Zahnärzte aktiv war, den aber inzwischen niemand mehr kennt.

Was war, um flugs aufs Ökonomische zurückzukommen, eigentlich bei Sonova geschehen und wie ist der eingetretene Sachverhalt objektiv zu bewerten? Im Gegensatz zur sonstigen unseriösen Schweizer Presse, die nur noch über Castings, Mister-Wahlen, Social Networks, die Zürcher Partyszene und sonstige sinnentleerte Betätigungen dubioser Schaumschläger und durchgestylter Gecken berichtet ? was zwar inzwischen unbestritten als Mainstream anzusehen ist, uns vom ?Nebelspalter? aber dennoch nicht die Bohne interessiert ? meinen wir übrigens tatsächlich «objektiv», wenn wir «objektiv»  schreiben. Und das seit mehr als 130 Jahren. Dies nur mal kurz eingeschoben, damit «die anderen» Schreiberlinge nicht vergessen, wo in der Eidgenossenschaft der publizistische Hammer hängt, wenn allerorten von «Nachhaltigkeit» gefaselt wird.

Andy Rihs, Firmengründer des Hörgeräteherstellers Phonak, muss 2006 sein Radrennteam wegen Doping-Skandalen auflösen. Andy Rihs besitzt neben einer Rinderfarm in Steamboat Springs (USA) je einen Weinberg in Neuseeland und Frankreich und stellt in der Provence den preisgekrönten Aureto-Wein her, wie die ?Schweizer Illustrierte? sachkundig zu berichten weiss.

Andy Rihs verkauft am 8. März 2011 300?000 Aktien im Wert von 37,5 Millionen Schwizer Fränkli und macht einen anständigen Reibach wegen der ihm damals völlig unbekannten Gewinnwarnung und der daraus resultierenden Börsenreaktionen. Dies erscheint, in Hinblick auf seinen abrissartig dargestellten Lebenswandel und seine Präferenz Velofahren, seine intensive Beschäftigung mit Rindviechern und seinen Hang zu Drogen und Alkohol als durchaus überzeugend und glaubhaft.

Stellen Sie sich doch nur einmal vor, Sie hätten einen so knallharten Manageralltag durchzustehen wie Andy Rihs, dessen Agenda uns durch seine Kammerzofe, die seit vier Monaten händeringend auf ihren Lohn wartet, in die Hände gespielt wurde: 


- 13.00 Uhr: Wecken und gelegentliches Aufstehen.
- 14.00 Uhr: Tapas und 1. Weinverköstigung.
- 15.00 Uhr: 2. Weinverköstigung.-
- 16.00 Uhr: Degustation von Velofahrer-Stärkungsmitteln.
- 17.00 Uhr: Rodeo, gelegentliches Einfangen verschiedener von der Koppel entlaufener Rindviecher.
- 18.00 Uhr: Bergfahrradfahrt zur VR-Sitzung.
- 19.00 Uhr: Willkommens-Apéro mit den VR-Kollegen.
- 20.00 Uhr: Beginn der VR-Sitzung mit Tapas und Weinverköstigung.
- 23.00 Uhr: Wecken und gelegentliches Aufstehen.

Hieraus dürfte klar werden, dass sich selbst ein so grundsolider Kerl wie Andy Rihs unmöglich daran erinnern kann, etwas von Gewinnwarnungen oder anderem Mist gehört zu haben, während er im verwaltungsrätlichen Sitzungszimmer den friedlichen Schlaf des Gerechten schlief.

Jan Peters

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