Frohe Kunde

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 02.12.2010

Frohe Kunde
Swen (Silvan Wegmann) | (Nebelspalter)

Es ist wunderbar, zur letzten Hauptausgabe des Jahres nur Positives vermelden zu dürfen: Die SVP hat ihre Initiative durchgebracht und kann sich trotzdem darauf verlassen, mit kriminellen Ausländern noch jahrelang Wahlkampf zu machen. Das Ausführungsgesetz zur angenommenen Initiative müsste in spätestens fünf Jahren in Kraft treten - wetten, dass wir mindestens noch fünfmal per Referendum darüber abstimmen werden, wie viele eingesteckte Kaffeerähmli im Self-Service-Restaurant exakt zur Ausschaffung führen? Positiv für alle integren Inländer: Wer zu Abstimmungszwecken das halbe Strafgesetzbuch auswendig lernt, tut etwas für ein anderes wichtiges SVP-Anliegen: Lernen wie zu Gotthelfs Zeiten.


Auch das Resultat der SP-Initiative bietet nur Anlass zur Freude, legt es doch den Schluss nahe, dass 58 Prozent der Schweizer Bevölkerung über 250 000 Franken im Jahr verdienen. Ich gehöre zwar nicht dazu, freue mich aber selbstverständlich für alle anderen. Doch auch die Überwindung des Kapitalismus, die Nivellierung des Steuerwettbewerbs und der Lohnunterschiede werden nach dem Verdikt vom Sonntag nicht einfach aus der politischen Agenda verschwinden: Dass die kantonalen und kommunalen Steueroasen Helvetistans zu allem Überdruss auch noch grosszügig durch den nationalen Finanzausgleich gedüngt werden, lässt inzwischen sogar einzelne Kamele der bürgerlichen Karawane zusammen mit den linken Hunden aufheulen.


Da hätte es jener weltoffenen und toleranten Basler mit ihrer «Kauft nicht beim Juden»-Logik gegen alles, was nach Blocher riecht, gar nicht mehr bedurft, um zu wissen: Die Schweiz ist so perfekt und harmonisch, dass wir Satiriker fürchten müssen, im kommenden Jahr gar nicht mehr gebraucht zu werden.

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