Was macht eigentlich Pirmin Zurbriggen?

Beni Frenkel | veröffentlicht am 08.10.2010

Nebi-Autor Beni Frenkel hat sich auf die Suche nach dem ehemaligen Walliser Ski-Gott begeben, der die Zeit zwischen Bernhard Russi und Didier Cuche lückenlos ausfüllte.

Was macht eigentlich Pirmin Zurbriggen?
(Nebelspalter)

Was ist aus dem bekannten Skirennfahrer geworden? Die Antwort steht in der Lobby des ‹Wellnesshotel Pirmin Zurbriggen›. «Gott zum Gruss», begrüsst er den Besucher, «Christus auf deinen Wegen». Es folgt ein kräftiger Händedruck. «Herr Pirmin», so will er genannt werden, hat eigentlich fast keine Zeit für Fragen. Es ist momentan Hochsaison im Wellnesshotel und gerade ist Frau Hungertobel im Jacuzzi hingefallen. Dann gab es am Morgen in der kleinen Kapelle ebenfalls ein kleines Malheur: Die Toilettenspülung streikte und die Betenden konnten sich darob nicht gut auf die Liturgie konzentrieren. «Der Herr wandelt auf meinen Wegen », lacht Herr Pirmin und hat schon einen Sanitär am Apparat. Überhaupt wird bei den Pirmins viel gelacht.

Die Schwiegermutter betreibt den kleinen Hotelkiosk und lacht auf meine Frage nach Kondomen: «Die beste Verhütung ist der Glauben. Die beste Hütte ist unser Wellnesshotel!». Das findet auch Pirmin lustig und zeigt mir gut gelaunt das ‹Heiligtum›: Ein kleiner Raum im blauen Licht. Drinnen stehen sie, die vielen Pokale, die Pirmin im Laufe seiner Karriere gewonnen hat. Die grosse Kristallkugel für den Weltcupsieg und die vier WM-Goldmedaillen befinden sich in der grössten Vitrine. An der Wand hängen Zeitungsausschnitte, zum Beispiel ein ‹Blick›-Titel: Pirmin, unser Gott! Eine Vitrine steht leer. Ich frage nach der Bedeutung. «Die letzten Titel stelle ich nicht aus. Es sind die guten Taten, die nur unser Herrgott kennt. Ich will den Besuchern zeigen, dass nach meinen Höhepunkten das Leben weitergeht.» Herr Pirmin wirkt ernst.

«Ich habe jetzt ungefähr sieben Kinder. Sie sollen meinen Glauben weiterleben. Vielleicht wird einer von ihnen auch mal berühmter Skifahrer – das weiss nur Gott.» Um Pirmin war es in den Jahren nach seinem Rücktritt still geworden. Er wurde nicht Verbandssekretär oder Pistenfuzzi, wie manche voraussagten. Stattdessen versuchte er sich als Hotelier, wie das viele Walliser nach ihrer ersten Karriere tun. Das ‹Wellnesshotel Pirmin Zurbriggen› war sein erster Schritt zurück in die Öffentlichkeit. Daneben studiert er im Fernkurs Laienprediger.

Beides, Hotel und Glauben, sind wichtige Konstanten geworden. Die Gäste, die ankommen, wissen das und zeigen sich nicht erstaunt, wenn sie um drei Uhr morgens für die Frühandacht geweckt werden. Ein Blick ins Gästebuch bestätigt das: «In diesem heiligen Wellnesshotel habe ich Gott wiederentdeckt », oder: «Herr Pirmin stärkte meinen Glauben». Als ich mich verabschiede, laufen mir die ungefähr sieben Kinder von Pirmin nach: «Preiset den Herrn auf euren Wandlungen», singen sie vierstimmig.

 

Weitere Artikel

loader