Roger de Weck

Marco Ratschiller | veröffentlicht am 03.06.2010

Roger de Weck
Hörmen (Hermann Schmutz) | (Nebelspalter)

Herr Weck, die Wahl eines intellektuellen Euroturbos zum Generaldirektor der SRG wurde äusserst kontrovers aufgenommen.
Es heisst «de Weck», bitte.
Unter anderem hat Ihnen die rechtbürgerliche «Weltwoche» vorgeworfen, dass Sie Ihr aristokratisches Namenspräfix schon seit 1830 völlig illegitim verwenden, was nach unseren eigenen Recherchen klar bedeutet, dass Sie für dieses Amt bereits viel zu alt sind, Herr Weck.
Herr «de» Weck, bitte.
Zudem wurde mit den ungeschriebenen Gesetzen der Ahnen- und Sippenhaft nachgewiesen, dass sich Ihr Geschlecht als ein einziger Haufen von schöngeistigen Opportunisten und Besserwissern ausgibt.
Müsste es nicht heissen «ausnimmt»?
Sehen Sie!
Sehen Sie was?
Genau diese Gegenfrage war jetzt richtig deplatziert, Herr Weck.
Eher: richtig platziert, Herr de Weck.
Wie Sie wollen. Fakt ist ...
... de facto ...
... sind Sie zwar ein brillanter intellektueller Publizist, haben jedoch in Ihrer Karriere als Manager mit Sparvorgaben stets versagt. Es zeugt also von Mut, das grösste Schweizer Medienhaus in Zeiten schwindender Einnahmen führen zu wollen.
Nein, von Demut.
Herr Weck, bitteschön, wenn Sie in diesem Interview mit unsinniger Kadenz überall Ihre Vorsilbe dazwischenwerfen wollen ...
... mit unsinniger Dekadenz, genau.
Degout. Es reicht. Ich Dekan auch anders. Wenn Sie es auf Deeskalation angelegt haben, um mich als Autor dieser seit einer halben Kade deflorierenden Rubrik zu moralisieren und diese Zeilen mit einem Decrescendo von Zwischenrufen zu de­konta­minieren - dann wollen wir mal sehen, ob unsere Leser diese Gehirnakrobatik nicht trotzdem chiffrieren können, Herr de Weck.
Schön. Dann also jetzt Herr Weck, bitte.
Sehen Sie? Wir lassen uns nicht so leicht moralisieren und montieren. Wir werden genau beobachten, welche Inhalte die SRG unter Ihrer Ägide degenerieren wird und nötigenfalls breiten Widerstand deformieren, damit Sie Ihre Mission einreichen müssen, ehe Sie Ihre Demission erfüllt haben.
Vorzüglich! Ein perfekter Vorgeschmack darauf, wie abgedreht künftig meine SRG-Sender sein werden.

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