Kabale und Liebe (Neue Zürcher Fassung)

Giorgio Girardet | veröffentlicht am 04.10.2008

Die Genossen sind zutiefst verwirrt über den Erfolg, den das «Polit-Traumpaar» Jositsch-Galladé mit seinem Sicherheitspapier an den Wahlen vor einem Jahr erzielte.

Kabale und Liebe (Neue Zürcher Fassung)
  (Nebelspalter)
Die Genossen sind zutiefst verwirrt über den Erfolg, den das «Polit-Traumpaar» Jositsch-Galladé mit seinem Sicherheitspapier an den Wahlen vor einem Jahr erzielte. Am kommenden SP-Parteitag vom 25./26. Oktober in Aarau wird es nun zur grossen Debatte kommen: Kapituliert die Partei der «Linken und Netten» vor dem Vokabular und den Methoden von Schlüer und Mörgeli?

Spannend wird es allerdings nicht nur in Aarau. Auf der Zürcher Sicherheitsdirektion wartet das Gesuch eines Majors der eidgenössischen Militärjustiz, Prof. Dr. Daniel Jositsch, auf Befreiung vom altgermanischen Recht auf persönliche Bewaffnung auf seine Behandlung. Wie wird Hans Hollenstein (CVP) entscheiden?

Allein aus patriotischem Pflichtgefühl und eingedenk des achtundsechziger Mottos, dass gerade das Private politisch ist, leuchten wir heute ausnahmsweise in die abgründigen Dunkelkammern von telegener Lichtgestalten. Das Traumpaar Jositsch-Galladé liefert pikante Anschauung zum vom Volksmund längst vermuteten Zusammenhang von öffentlicher Sicherheit, Potenz und persönlicher Waffe. Wir hoffen in freundeidgenössischer Manier nicht nur den Nebel zu spalten, sondern auch mit einem Schmunzeln verhärtete Fronten zu entspannen.

1. Akt:

Die ersten 11 Punkte des 12-Punkte-Plans. 25. Juni 2007, Hotel Widder, Zürich.

Er: «Chantal, ich bin doch noch verheiratet. Und als Professor bin ich eine Respektsperson.»

Sie: «He, Dani, wir leben doch nicht mehr in den muffigen 50er-Jahren, gerade wir Genossen dürfen nun die Ernte von 68 einfahren. Aber deine Korrektheit schätze ich sehr. Komm, mein Professor, gehen wir das Programm nochmals durch. Aber bitte unkorrekt.»

Er: «Ja, okay – erstens: Senkung des Strafrechtsalters bei Gewaltdelikten. Geeignete Massnahmen ergreifen. Ach, was Du mir für Einsichten gewährst! Diese zwei Argumente überzeugen mich vollumfänglich. Umspielt dich hier mein ‹Poison›?»

Sie: «Ja, danke, Dani. Jans Vater hat mir nie Parfum geschenkt. Zweitens …» (maliziös:) «… frühzeitig konsequent eingreifen.»

Er: «Oh ja, das ist erhärtet, das wirkt! Was heisst hier ‹angehende Erziehungswissenschafterin›? Du hast es voll im Griff. Drittens: Mehr Jugendanwälte!»

Sie: «Ja! Genau, Dani! Viel mehr! Ohne langes Zaudern! Und vor allem: kürzere Untersuchungsdauer. Bei offensichtlicher Notwendigkeit soll fest zugepackt werden – ja, richtig fest!»

Er: «Ja, Chantal, wir erhöhen – viertens – die obere Altersgrenze für die Beendigung von Erziehungsmassnahmen.»

Sie: «Ja, Professor, ich bin erst 35, brauche noch deine starke Hand und dank der fünften Massnahme – Ausbau des vorschulischen Angebots – musst du nicht immer Theo, und ich immer Jan hüten!»

Er: «Genau, Frau Bald-Ständerätin, und damit zur Massnahme sex: Kleinere Schulklassen. Gegen die verfehlten Sparmassnahmen der SVP.»

Sie: «Geil, wir schlagen Brunner-Toni mit seinen eigenen Waffen! Oh, Dani, wir zahlens dem heim, Sicherheitspolitik ist heiss! Ich brauche noch, bitte, bitte, Dani, Punkt sieben: Härtere Sanktionen gegen renitente Jugendliche und Schulabsentismus. Ich hab mal eine Kommission geschwänzt.»

Er: «Du böses Mädchen! Und deinen Jan hast einmal fürs ‹10vor10› ins Parlament geschleppt, das war so was von pervers! Aber warte! Jetzt kommt Punkt acht: Klare Verpflichtung der Eltern und Sanktionen! Et voilà!»

Sie: «Mais oui, mon petit adultère! Und wenn wir nach Punkt neun die starre Schulzuteilung nach Wohngebieten flexibilisieren, dann können Jan von Winterthur und Theo von Stäfa aus in dieselbe Klasse: Wir haben mehr Zeit für uns. Dani! Punkt zehn: Chance auf Arbeit und Ausbildung – ich schliesse mein Studium doch noch ab.»

Er: «Oh Chantal, mit dir zu konzipieren, ist so aufregend. Gewalt und Pornografie müssen Unterrichtsthemen werden.»

Sie: «Ja, ja, ja! Dani! Das Programm ist fast fertig, komm, Dani, komm!»

(Handy klingelt. Beide ausser Atem.)

Er: «Chantal! Oh, … Moment …» (nimmt ab.) «Jositsch? Für ‹10vor10›? Einen kleinen Dreh bei der Uni. Klar, bin sofort dort.» (Knacken.) «Chantal, tut mir leid, ich muss, ‹10vor10› wartet.»

(Kleiderrascheln.)

Sie: «Nein, Dani, das kannst du nicht …»

(Schreit:) «Ihr Männer seid alle gleich!»

Er: «Ich muss danach sowieso noch an einen Anlass der Offiziersgesellschaft.»

Sie: «Was? Du – ein Offizier? So scharf! Welcher Grad?»

Er: «Major der Militärjustiz. Chantal, die Medien rufen: Du kennst es ja.»

Sie: «Ja, Dani, kämpf für unsere Sache! Nächstes Mal will ich einen Major mit Dienstwaffe vernaschen!»

Giorgio Girardet

Lesen Sie den vollständigen Beitrag mit dem 2. und 3. Akt in der gedruckten Ausgabe des «Nebelspalter» oder im E-Paper, das Sie im Download-Bereich auf www.nebelspalter.ch finden.

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