Armee-Taschenlampen à 165 Franken

Armee-Taschenlampen à 165 Franken

Der Bund hat in den letzten sechs Jahren über 120'000 Luxus-Taschenlampen gekauft. Die Vorgänger waren 22 mal günstiger.

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von Gast Autor am 13.5.2021, 14:00 Uhr
Die TaLa 15 Bild: Armeeshop.ch
Die TaLa 15 Bild: Armeeshop.ch
Die TaLa 80 (Taschenlampe 80) war nie ein Wunderwerk der Technik. Die Taschenlampe der Armee konnte gelb, grün und rot leuchten. Wenn sie auf den Boden fiel, ging sie in der Regel nicht kaputt. Ein hartes Metallgehäuse schützte die 4,5-Volt-Batterie und das kleine Glühlämpchen. Die TaLa 80, die im Jahr 1980 eingeführt wurde, kostete etwa so viel wie ein Sandwich: 7,50 Franken.
Auch die Taschenlampen, die im Zweiten Weltkrieg benutzt wurden, sahen fast so aus wie die TaLa 80. Heute gilt: Wer im Dienst eine Armee-Taschenlampe benutzen muss, wird gerade schikaniert. Ihm steht entweder eine Nachtübung oder Überlebenswoche bevor. Oder noch schöner: Er muss Wachtdienst schieben. Im Grunde genommen ist die Taschenlampe ähnlich wichtig wie das Bajonett.
35 Jahre nach der TaLa 80 kam dann aber trotzdem eine Wachablösung. Die Schweizer Armee führte die TaLa 15 ein. Als «Hochleistungs-Taschenlampe» wird sie beschrieben. Rutschfest, schlagfest und spritzwassergeschützt ist sie, aber vor allem teuer. Zusammen mit der Ladestation und den Akkuzellen kostet die Lampe 165 Franken. Die Batteriekontakte sind natürlich vergoldet. 120'000 Stück hat der Bund bereits gekauft. Wie viel sie gekostet haben, will er nicht verraten: «Aufgrund der hohen Stückzahlen erhält armasuisse sehr gute Preise.» Bei einem realistischen Stückpreis von 100 Franken, hätten die Lampen 12 Millionen Franken gekostet.
Die TaLa 15 kann wie die TaLa 80 auch noch in Grün und Rot leuchten. Nicht besser, aber ein bisschen länger. Einmal aufgeladen, leuchtet sie sechs Stunden lang. Ihre Lebensdauer schätzt die Armee auf 100'000 Stunden. Die alten Taschenlampen sollen angeblich bereits nach 1000 Stunden den Lebensgeist aufgeben. Die Angaben dürfen bezweifelt werden. Der Autor besitzt eine Lampe aus dem 2. Weltkrieg. Sie funktioniert einwandfrei.
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Die TaLa 80 Bild: Armeeshop.ch

Hergestellt wird die TaLa 15 von der Firma Gifas Electric, die ihren Sitz im sanktgallischen Rheineck hat. Die Armee war von der TaLa 15 so begeistert, dass sie von Gifas Electric drei Jahre später ein Upgrade bestellte. Die verbesserte Taschenlampe zeichnet sich dadurch aus, dass sie im Unterschied zur TaLa 15 auch noch explosionsgeschützt ist. Die Armee bestellte gleich 3000 Stück davon.
Wie es günstig (aber nicht billig) geht, zeigt ein Blick nach Norden. Die deutsche Bundeswehr gibt ihren Angehörigen Taschenlampen ab, die weiss, rot und grün leuchten. Die Batterien können aufgeladen werden. Im Onlineshop kosten die Taschenlampen weniger als 20 Franken.

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